Nachtkonzert
Sibyl Hofstetter voc, comp
Rea Dubach voc, comp
Corinne Nora Huber voc
Marina Sobyanina voc, comp
Stefan Bernhard tp, comp
Hanna Marchand sax
Kristinn Smári Kristinsson git
Michael Haudenschild p, comp
Philippe Adam dr
Ricardo Castillo comp
Frank Sikora Projektleitung

 

Alfred Wälchli (1922–2004)

Messe
Uraufführung

Kyrie
Gloria
Credo I
Credo II
Sanctus I
Sanctus II
Hosanna
Agnus Dei

 

Die Vertonung der Messetexte des Aargauer Sprachkünstlers und Komponisten Alfred Wälchli durch Studierende der Masterstudiengänge «Jazz Composition & Arrangement» und «Jazz Performance» der Hochschule der Künste Bern ist eine mehrschichtige Herausforderung. Ein Nonett, bestehend aus drei Sängerinnen, zwei Bläsern und einer vierköpfigen Rhythmusgruppe, nähert sich der eigenwilligen, enigmatischen Sprache und der Klanglichkeit der Texte Wälchlis mit einer Mischung aus Neugier und Verwunderung. Es ist ein transdisziplinäres Projekt, bei dem sich Wort, Klang und Raum, kompositorische und improvisatorische Elemente, instrumentale und elektronische Klänge zu einer Collage verbinden, bei der Sprache zur Musik wird und Musik zur Sprache, wo Klanglaut und Wortklang ineinanderfliessen. Es ist aber auch eine Auseinandersetzung mit Alfred Wälchlis musikalischem Werk. Seine Musik spricht den Jazzmusiker an. Sie ist extrem rhythmisch, motorisch und pulsgesteuert, an der Grenze zwischen Tonalität und Atonalität angesiedelt, mit einem durchaus populären touch. Dennoch ist dieses Projekt nicht als Rekomposition der Musik Wälchlis zu verstehen. Es geht vielmehr darum, den Gestus, die Radikalität und Originalität, in die Sprache des zeitgenössischen Jazz zu überführen und, unter Einbezug der räumlichen und akustischen Möglichkeiten des Kirchenraumes, ein eigenständiges Werk zu schaffen – als Hommage an diesen zu Lebzeiten nur wenig beachteten Künstler.

Wer war Alfred Wälchli? Er sei als Original eingeordnet – und dabei unterschätzt worden, schrieb Roman Brotbeck über ihn und: «Das Werk von Alfred Wälchli gehört für mich zum Eigenständigsten, Kreativsten und Wichtigsten, was in der Schweiz in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts entstanden ist. Dass Alfred Wälchli fast 80 Jahre alt werden musste, bis er an den Solothurner Literaturtagen auftreten konnte, und dass er erst an der Biennale Bern 2003 in einem internationalen Kontext präsentiert wurde, stellt den Kulturverantwortlichen dieses Landes kein gutes Zeugnis aus.»
Wälchli, geboren, wohnhaft und verstorben in Zofingen, liesse sich tatsächlich leicht in die Reihe zurückgezogen lebender helvetischer Originale subsummieren, die nicht weit über ihre Heimat hinauskommen. Zwar hat er in Zürich Klavier und Komposition studiert und bei Wolfgang Heinz am Schauspielhaus als Regieassistent gearbeitet, in seinem dichterischen und musikalischen Schaffen ist er jedoch weitgehend Autodidakt: Auf dem Abstieg von der Alp Flix hatte der Elfjährige, so erzählt Brotbeck, einen musikalischen Einfall (einen symmetrischen, über die kleine None ausgelegten Akkord), der ihn zeitlebens nicht mehr losliess und in fast jeder Komposition vorkommt. Und weil ihm die Deutschlehrer einst sagten, er beherrsche kein gutes Deutsch, entwickelte er eine eigene Sprache, die Dialektales und Hochsprachliches mit antiken Wort- und Satzumstellungen vermischt. So entstand im Stillen ein einzigartiges Oeuvre: Monumentaldramen vor allem und dazu korrespondierende Musikstücke. «In seinen fast unspielbaren Kompositionen notiert Wälchli keine Takte, keine Phrasierungen und keine Dynamik. Alles sollte elastisch und variabel bleiben, und die oft extrem schnellen Bewegungsketten verklungeln sich ineinander. Die Musik ist tonal und hat doch nie tonale Wirkung; die Harmonien sind völlig neu und erinnern an die gläserne Klarheit von Messiaens Harmonik. Charles Ives kann manchmal so klingen oder der ebenfalls ziemlich unbekannte Kaikhosru Sorabji. Den Kompositionen und Texten von Alfred Wälchli fehlt jede Form von Klischee oder von Pathos. Im Leben wie im Schaffen ist Wälchli von entwaffnender Ehrlichkeit.»

 

Abendkasse eine halbe Stunde vor Konzertbeginn: CHF 30.–/15.–


Abendkasse

Kirche St. Peter und Paul | Rathausgasse 2 | 3011 Bern
Freitag, 23. Oktober 2015 | 23.00 Uhr


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