Termine – 5. Internationaler Kongress für Kirchenmusik | Bern 2015 | 21.-25. Oktober 2015 https://www.kirchenmusikkongress.ch kM15 Sat, 24 Oct 2015 23:06:13 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=5.7.15 Klanginstallation «Miozän Resonanz» https://www.kirchenmusikkongress.ch/programm/klanginstallation-miozaen-resonanz/ Thu, 25 Jun 2015 08:44:31 +0000 http://www.kirchenmusikkongress.ch/?post_type=event&p=585 Miozän Resonanz
Eine mehrkanalige Klanginstallation (2015)

 

Serafin Aebli (*1994)
Rolf Laureijs (*1992)

 

Die Krypta der Kirche St. Peter und Paul wurde und wird auch heute von verschiedenen Kirchgemeinden genutzt. So feiern z.B. die eritreisch-orthodoxe und die serbisch-orthodoxe Kirche ihre Gottesdienste in der Krypta. Im Winter werden hier auch die Gottesdienste der Christkatholischen Kirchgemeinde Bern abgehalten. Es gibt also eine interessante Mischung verschiedener Kulturen, welche diesen Raum für ihre Gottesdienste nutzen.
Nehmen wir einmal an, alle Klänge in der Krypta der letzten 150 Jahre hätten sich mittels ihrer Schallwellen in die Wände, Böden und Gewölbe des Raums eingeschrieben und wir fänden eine Methode, sie wieder hörbar zu machen. Dann könnte man eine phantastische klangarchäologische Analyse vornehmen und die alten Gesänge, Musiken, Predigten, Gespräche usw. Schicht für Schicht freilegen.
Mit der mehrkanaligen Lautsprecher-Installation Miozän Resonanz wird eine solche «klangarchäologische» Untersuchung durchgeführt. Die in Jahrzehnten in die Wände, Böden und Gewölbe eingeschriebenen Klangschichten werden vorsichtig abgetragen. Stück für Stück kommen all die alten Klänge wieder zum Vorschein. Schleif- und Kratzgeräusche sowie leichtes Hämmern begleiten die Klang-Archäologen, wie sie langsam die Schichten der Wände abtragen, die längst vergessenen Klänge verschiedener Kulturen und Epochen zum Vorschein bringen und erstmals gleichzeitig miteinander hörbar werden lassen.
An verschiedenen Punkten im Raum werden Lautsprecher platziert. Durch die Reflexionen im Raum und die Diffusionen im Gewölbe entsteht eine spezielle Akustik, so dass die Klänge in ihrer Herkunft verschleiert und schwer ortbar werden, vergleichbar den einzelnen Staubschichten und Steinen in Sedimentablagerungen der Wände, die ihr altes Wissen wieder freigeben.
Serafin Aebli und Rolf Laureijs

Öffnungszeiten: Do 22. Oktober bis Samstag 24. Oktober: 9.00–10.00 Uhr | 12.00–14.00 Uhr | 17.00–19.30 Uhr
Eine erweiterte Dokumentation liegt auf.

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Orgelspaziergang, Teil 1 https://www.kirchenmusikkongress.ch/programm/orgelspaziergang-teil-1/ Wed, 04 Mar 2015 09:17:49 +0000 http://www.kirchenmusikkongress.ch/?post_type=event&p=56 Maurizio Croci und Jürg Lietha Begrüssung und Moderation

 

Chororgel (Fratti 2008):

Samuel Cosandey Orgel
Aus: Le Livre d’Orgue de Bex
Karim Younis (*1992)
La luce et il suo bagliore über Lukas XI 33-36 (2014)
Niklaus Erismann (*1984)
Komposition zu Lukas VII 24-28 (2015)

Orgeldisposition Chororgel

 

Hauptorgel (Mathis 1980):

Lee Stalder Orgel
Jennifer Bate (*1944)
Homage à 1685 (1985)
I Moto perpetuo, III Largo, IV Postlude on a theme of Handel

Christoph Lowis Orgel
Thomas Daniel Schlee (*1957)
«Sicut ros hermon» aus: Zwei Psalmen für Orgel op. 74 (2004/10)

Elie Jolliet Orgel
Jürg Lietha (*1952)
Organosalsa (2013)

Orgeldisposition Hauptorgel

 

«Le Livre d’Orgue de Bex» entstand bzw. entsteht auf Anregung von Samuel Cosandey, der als Organist an der Paroisse des Avançons von Bex und Gryon tätig ist. Die Stücke basieren auf Bibelstellen, zu denen am Tag der Uraufführung gepredigt wurde, und bilden gegenüber dem Wort so ein Echo im «Unsagbaren». Die Sammlung soll fortgesetzt werden; zurzeit umfasst sie drei kurze Stücke, die für Gottesdienste während des Kirchenjahrs 2014–15 bestellt wurden. Sie stammen von Studierenden der HKB-Kompositionsklassen von Daniel Glaus und Xavier Dayer (was allerdings keine Bedingung für das«Livre» ist): vom Berner Gitarristen Niklaus Erismann und vom Pianisten Karim.

Nicht auf Olivier Messiaen, der ihre Interpretationen so hoch schätzte, oder auf das französische Repertoire bezieht sich Jennifer Bate mit ihrer Suite, sondern auf das Geburtsjahr von Bach, Scarlatti und Händel. «Homage to 1685» ist eine imaginative, intrikate, farbenprächtige und technische Tour de Force als Relevanz an diese Barockmeister. Sie greift darin Themenmaterial und Kompositionsverfahren auf und schickt sie auf eine Reise durch die Moderne. Zu ihrem Werk schreibt sie: «Der erste Satz wurde durch Bachs Cellosuiten inspiriert. Obwohl hauptsächlich einstimmig komponiert, sind die Harmonien trotzdem immer enthalten. Dabei erscheinen die Noten B, A, C und H, die den Namen des berühmten Komponisten buchstabieren, flüchtig zwölfmal. Der langsame Satz stellt eine unverwechselbare Melodie vor, die zu einem Pizzicato-Bass wiederholt und variiert wird. An einer Stelle muss die rechte Hand sie auf zwei Manualen gleichzeitig spielen. Das Finale, mit vollem Werk, führt Händels Air aus der Cembalosuite Nr. 5 («The Harmonious Blacksmith – Der harmonische Grobschmied») in langen Pedalnoten ein. Rasche Akkorde bespielen die gesamte Tastatur, wobei die Hände sich stetig überkreuzen, bevor sie ebenfalls an der Melodie teilhaben.»

Der Komponist, Organist und Konzertmanager Thomas Alfred Schlee, auch er übrigens als Kompositionsschüler mit Messiaen verbunden, schreibt zu seinem Psalm: «‹Sicut ros Hermon› – wie der Tau des Hermon, der auf den Berg Zion niederfällt, steigt der Segen des Herrn auf jene Menschen herab, die in Eintracht leben. So schildert es Psalm 133. Mein im Jahre 2008 für das Bachfest Salzburg komponiertes Orgelwerk meditiert über jenes Fliessen der Gnade: zunächst in langsam absteigenden Harmoniefolgen, überlagert von rascher bewegten Figurationen. Aus diesen entwickelt sich über einem siebentönigen, mehrfach transponierten Ostinato ein emphatischer Gesang. Eine choralartige, innige Coda neigt sich ein letztes Mal zum Zentralton fis hernieder. ‹Sicut ros Hermon› ist dem Schriftsteller Christian Martin Fuchs in Freundschaft zugeeignet.»

Jürg Liethas «Organosalsa» ist, wie der Komponist schreibt, «ein gepfeffertes Orgelstück mit südamerikanischem Kolorit!» Salsa heisst ja «Sauce», und diese Sauce ist hier «ein Mix aus südamerikanischen Tanzrhythmen wie Rumba, Tango, Samba, Bossa Nova». Entsprechend bewegt sind die Metren. Das eingängige Hauptthema pendelt zwischen 6/8- und 7/8-Takt, im Mittelteil herrschen gerade Takte vor. Lietha, Organist an der Berner Dreifaltigkeitskirche, nämlich ist musikalisch «bilingue», zuhause ebenso in der Klassik wie im Jazz. Vorbilder sind ihm dafür Chick Corea, Friedrich Gulda und Keith Jarrett. So gilt denn auch für dieses Stück, was er über sein «Trio» von 2009 sagte: «Viele wissen nicht, dass eine Kirchenorgel fetzen kann.»

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Orgelspaziergang, Teil 2 https://www.kirchenmusikkongress.ch/programm/orgelspaziergang-teil-2/ Thu, 05 Mar 2015 10:53:07 +0000 http://www.kirchenmusikkongress.ch/?post_type=event&p=61 Ursula Heim Begrüssung und Moderation

 

Paulus-Orgel (Metzler 2009)

Hans Balmer Orgel
György Ligeti (1923–2006)
Zwei Etüden für Orgel:
I. Harmonies (1967)
II Coulée (1969)

Mi-Sun Chang Orgel
Ulrich Gasser (*1950)
La Roche aux Fées (1988)
Olivier Messiaen (1908–1992)
Livre d’Orgue: Pièce en trio (1951)

Mayu Okishio Orgel
Rudolf Meyer (*1943)
Toccata per l’Elevazione dell’Organo Metzler (1960)

Orgeldisposition

 

Zwei Klassiker der modernen Orgelliteratur stehen hier zwei neueren Schweizer Kompositionen gegenüber: Olivier Messiaen und György Ligeti neben Ulrich Gasser und Rudolf Meyer.

György Ligetis Musik, die auf den ersten Blick so sehr von der Klangflächenkomposition geprägt scheint, war stets auch ein «trompe l’oreille», also der Versuch, das Ohr zu überlisten und durch raffinierte Verfahrensweisen ungewöhnliche Höreindrücke zu erzeugen. Das wird auch in diesen Orgeletüden aus den späten 60er Jahren deutlich. Beide variieren das Motiv des stationären Klangraums: Die erste, «Harmonies», entfaltet sich als ununterbrochene Kette zehnstimmiger Akkorde. Von einem Akkord zum anderen ändert sich jedoch jeweils nur ein Ton. Dafür wechselt die Klangfarbe häufig mit unmerklichen, kontinuierlichen Übergängen. Die zweite, «Coulée», ist eine Folge extrem schnell zu spielender Achtelbewegungen, die eine allmählich fortschreitende Akkordprogression umschreiben und in tremolierend-flirrende Bewegung versetzen – «so dass die Einzeltöne kaum mehr wahrzunehmen sind: Die Bewegung verschmilzt fast zu einem Kontinuum», wie der Komponist schreibt.

Olivier Messiaen «Livre d’orgue» aus dem Jahr 1951 ist ein Höhepunkt seiner avantgardistischen Phase. Hier finden sich zwar auch die theologischen Bilder und die Vogelgesänge, die in den folgenden Jahren für sein Schaffen bestimmend werden sollten. Mehrere der sieben Stücke sind aber ganz von rein musikalischen Konzepten wie seriellen bzw. modalen Ordnungen oder indischen Rhythmen bestimmt. Diese «rythmes hindous, variés, monnayés, et traités en valeurs irrationelles», prägen etwa die «Pièce en trio», die Nummer II des Zyklus. Die Oberstimme reiht diese zum Teil komplexen Rhythmen, die allerdings kaum erkenn- und unterscheidbar sind. Wesentlicher ist das intrikate Gewebe der drei unabhängig verlaufenden und doch ineinandergreifenden Stimmen. Durch die Registrierung sind sie schwer zu unterscheiden. Über das Stück hat Messiaen ein Zitat aus dem 1. Korintherbrief (13, 12) gesetzt: «Maintenant, nous voyons dans un miroir, d’une manière obscure…» – «Wir sehen jtzt durch einen Spiegel in einem tunckeln wort…» in der Luther-Übersetzung. Gerd Zacher hat diesen Spiegel in der Gegenüberstellung von indischer Rhythmik und europäischer Metrik entdeckt: «Hier wird wechselseitig Fremdes verfremdet.»

Ulrich Gassers «La Roche aux Fées» ist ein kurzes Gelegenheitsstück, komponiert zur Taufe seines Patenkindes und deshalb durchaus für eine Taufliturgie geeignet, aber keine geistliche Musik im engeren Sinn. Es bezieht sich auf die Legenden um die gleichnamige Megalithanlage aus der Jungsteinzeit in der Bretagne. Die Legende, so fügt der Komponist an, «berichtet, dass der Steintisch bei Essé von Feen erbaut worden sei und dass, wer ihn zerstöre, innerhalb eines Jahres sterbe. Die Feen hätten die gewaltigen Steine in einer Schürze aus dem weit entfernten Steinbruch herbeigetragen als wären es Kieselsteine. Als der Steintisch fertig war, riefen die Bauleute den Feen zu, dass sie keine weiteren Steine mehr bräuchten. Da schüttelten diese ihre Schürzen aus, dass die Steine zu Boden fielen. Dabei blieb einer aufrecht in der Erde stecken, während die andern um ihn herum verstreut zu liegen kamen. Dies ist der Ursprung der Steine von Rumfort, die man im Wald von Theil, unweit des Feenfelsens, findet. Versuchte man die Steine zu zählen, erhielt man nie dasselbe Resultat, denn die Feen verschoben die Blöcke fortwährend, zogen einen weg oder fügten einen andern hinzu, ohne dass man es merken konnte. Später aber gaben sie ihr Schelmenspiel auf und der Feenfelsen wurde zum Prüfstein für Verliebte. Der junge Mann ging rechts, das Mädchen links herum, und beide zählten die Steine. Waren sie rundum, mussten sie das Resultat vergleichen: Hatten sie gleichviel gezählt, lachte ihnen das Glück, betrug die Differenz nicht mehr als zwei, konnten sie noch hoffen, war sie aber grösser, dann war es besser, sie trennten sich.
Eine Zeitlang diente der Felsen einem Drachen als Unterschlupf, der verwüstete die ganze Gegend. Als aber der heilige Armel auf seinen Wanderungen in die Nähe kam und von dem Ungetüm hörte, fesselte er es mit seinem Gürtel um den Hals und stürzte es in den nahen Fluss. So heisst dieser noch heute ‹Blutfluss›.»

Rudolf Meyer, der langjährige Organist an der Stadtkirche Winterthur, schrieb seine «Toccata» für die Schwesterkirche in Zürich: zum 50-Jahr-Jubiläum der Metzler-Orgel im Grossmünster. Er schreibt dazu: «In diesem Werk werden verschiedene Bezüge zu Frescobaldi und Bach geschaffen, ganz besonders aber auch zu Huldrych Zwingli (‹Herr nun selbst den Wagen halt›).»

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Orgelspaziergang, Teil 3 https://www.kirchenmusikkongress.ch/programm/orgelspaziergang-teil-3/ Thu, 05 Mar 2015 10:53:33 +0000 http://www.kirchenmusikkongress.ch/?post_type=event&p=62 Jürg Brunner Begrüssung und Moderation

 

Hauptorgel (Goll-Wälti 2011)

Carmen Schneller Gitz Orgel
Alfred Baum (1904–1993)
All Morgen ist ganz frisch und neu (2 Verse)
Oren Kirschenbaum (*1982)
All Morgen ist ganz frisch und neu
Jürg Brunner (*1946)
Concerto über Ein heller Morgen

Tatjana von Gunten Orgel
Roman Krasnovsky (*1955)
Toccata domenicale op. 9

Kathrin Bratschi Orgel
Michael Radulescu (*1943)
Aus: Sieben Choräle zur Passion (1981)
3. Christus, der uns selig macht
5. O Traurigkeit, O Herzeleid

Klaus Huber (*1924)
In te Domine speravi (1964)

 

Orgeldisposition

 

Morgendlich gestimmt beginnt das Nachmittagskonzert – mit dem Choral «All Morgen ist ganz frisch und neu» aus dem frühen 16. Jahrhundert: Johannes Zwick schrieb dazu den Text, Johann Walter die Melodie. Der Komponist Alfred Baum, über fast sechs Jahrzehnte Organist an der Kirche Neumünster und einer der wichtigsten Vertreter der Zürcher Kirchenmusik, hat zahllose Stücke für den Gottesdienst geschaffen, daneben auch Choralbearbeitungen wie diese. Ein aktuelles Pendant erhält sie hier im Choralvorspiel von Oren Kirschenbaum. Der aus Israel stammende Organist, dessen Familie vor den Nazis aus Deutschland fliehen musste, war fünf Jahre an der evangelischen Kirche Zollikon tätig, musste sie dann aber verlassen, weil seine Arbeitsbewilligung in Zürich nicht verlängert wurde. Derzeit studiert er noch in Basel. Der Gedanke der Morgenstund‘ wird im «Concerto»von Jürg Brunner aufgegriffen, der sich seinerseits nun aber auf den beliebten Kanon von Willi Gohl (einem Schüler von Alfred Baum) bezieht.

Aus der Ukraine stammt der Komponist und Organist Roman Krasnovsky. Er studierte noch bei Aram Khatschaturjan in Moskau und kam dann nach Deutschland, um hier sein Orgelstudium zu beenden. 1990 emigrierte er nach Israel. Seither ist er als Konzertorganist unterwegs, in Europa, den Vereinigten Staaten und Japan. Erst in den 90er Jahren kehrte er wieder zur Komposition zurück. Sein Orgelwerk umfasst drei Sinfonien und diese Sonntagstoccata, Toccata domenicale, mit denen er häufig seine Konzerte beendet. Ein eingängliches, ja jahrmarkthaftes Thema wird hier auf dramatische und spielerische Weise verarbeitet und gerät so auf überraschende Weise in ganz andere Sphären.

Der österreichische Komponist und Organist Michael Radulescu, der von 1968 bis 2008 an der Wiener Musikhochschule unterrichtete, ist ebenfalls Konzertorganist. Sieben Passionschoräle hat er 1981 verarbeitet, indem er jedem von ihnen einen Modus (oder mehrere) zugeordnet und die Choralmelodie so umgeformt hat. Die Komposition entspringt also modalem Denken. Der zweite Teil von «Christus, der uns selig macht» sei als verhöhnender Tanz der Spötter Jesu vor dem Kreuz zu verstehen.

Klaus Huber ist einer der international bekanntesten Schweizer Komponisten. Durch sein politisches Engagement, etwa für die sandinistische Revolution in Nicaragua, sowie durch sein Studium der arabischen Musik hat er innerhalb der Neuen Musik deutlich Position bezogen. Eine seiner Wurzeln liegt jedoch, wie oft übersehen wird, in der reformierten Kirchenmusik. Bei Willy Burkhard, seinem Patenonkel, studierte er Komposition, und in seinen ersten Werken knüpft er durchaus daran an, wenngleich er dabei auch sofort die konfessionellen Grenzen überschreitet, hin zur Ökumene und zur Mystik. In diesem Zusammenhang ist auch das frühe Orgelstück «In te Domine speravi» zu sehen. In dieser Psalminvention scheint ein Gedanke auf, der Hubers Schaffen prägt und trägt: die Hoffnung. So schrieb er einmal: «Auf Gegenwart reagierend, wie ich es nicht anders kann, hoffe ich, mit meinem Werk einen bescheidenen Beitrag zu leisten gegen die fortschreitende Verdinglichung des Menschen (samt seiner Seele…), zur Rettung des Menschlichen in einer Zeit, die sich anderen Zielen verschrieben hat. – Und das im vollen Bewusstsein einer extrem brutalisierten Gegenwart, nicht nur in Palästina. Un autre monde est possible.»

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Orgelspaziergang, Teil 4 https://www.kirchenmusikkongress.ch/programm/orgelspaziergang-teil-4/ Mon, 16 Mar 2015 21:12:37 +0000 http://www.kirchenmusikkongress.ch/?post_type=event&p=117 Antonio García Begrüssung und Moderation

 

Goll-Orgel (1991)

Katja Sager Orgel
Jean Guillou (*1930)
Pièces furtives op. 58 (1998)
Caloroso
Giocóndo
Languore
Molto cantabile
Tempo di Marcia

Yeon-Jeong Jeong Orgel
Jean Guillou (*1930)
Säya ou «L’oiseau bleu», Poème sur un air populaire coréen op. 50 (1993)

Michael Sattelberger Orgel
Zsigmond Szathmáry (*1939)
Moving Colours (2006)

Angela Metzger Orgel
Bruce Mather (*1939)
Aus: Six Études (1982)
Nr. 3 «Vision fugitive»
Nr. 5 «Textures»

Samuel Cosandey Orgel
Antoine Fachard (*1980)
Coïncidences (2013)

 

Orgeldisposition

 

Jean Guillou gehört zu den berühmtesten, aber auch umstrittensten Organisten unserer Zeit. Der Schüler von Marcel Dupré, Maurice Duruflé und Olivier Messiaen, der seit 1963 an der Kirche Saint-Eustache direkt neben den Pariser Hallen wirkt, ist auch als Pianist und Komponist bekannt geworden. In der Schweiz war er entscheidend bei der Konzeption der Tonhalle-Orgel in Zürich beteiligt. Seine zehn «Pièces furtives», von denen hier eine Auswahl erklingt, sind flüchtig oder wörtlich: verstohlene, heimliche Charakterstücke, die fast im Nu vorbeifliegen. Elaborierter hingegen ist die zweite Komposition:
Auf seinen zahlreichen Konzerttourneen improvisiert Guillou regelmässig über Themen aus dem Publikum, und so erhielt er 1993 in Seoul das koreanische Volkslied «Säya» vorgelegt: eine extrem einfache Melodie aus vier Tönen, die in einem sehr poetischen Text einen blauen Vogel besingt. Guillou dazu: «Diese zauberhafte Nacktheit zog mich an, weswegen ich mich entschloss, es in einer Komposition zu verwenden. Das Poem präsentiert, während es die ursprüngliche Schlichtheit bewahrt, eine dramatische Entwicklung mit Variationen und Kommentaren. Am Schluss kehrt die anfängliche Wärme der Melodie zurück und singt sich noch einmal aus, bevor sie davonfliegt.»

Auch der Ungar Zsigmond Szathmáry, der seit langem in Deutschland lebt, ist sowohl Komponist als auch Organist. Im Gegensatz zu Guillou, der sich keiner Schule zuordnen lässt, bewegt er sich jedoch in den Kreisen der Avantgarde und ist etwa auch durch seine Realisierungen graphischer Partituren bekannt. Seine Komposition «Moving Colours» (2006) war ein Auftragswerk für den Internationalen Orgelwettbewerb 2008 im deutschen Schramberg (D) und wurde für die dortige Walcker-Orgel (1844) in der St. Marien-Kirche konzipiert.

(James) Bruce Mather stammt aus Toronto, studierte dort am Royal Conservatory of Music, kam aber bald schon nach Europa, um sich hier weiterzubilden. In Paris besuchte er die Kurse von Darius Milhaud und Olivier Messiaen, in Darmstadt lernte er auch Pierre Boulez kennen, bei dem er 1969 in Basel Dirigieren studierte. Nach seiner Heimkehr unterrichtete er von 1966 bis 2001 an der McGill University in Montreal und leitete dort auch Contemporary Music Ensemble. Kompositorisch wurde er unter anderem vom Exilrussen Iwan Wyschnegradsky und seiner mikrotonalen Musik beeinflusst. 1982 komponierte der frankophile Kanadier für den belgischen Organisten Bernard Foccroulle sechs Etüden, die sich diversen technischen Problemen widmen. Die «Vision fugitive» ist ein kurzes, bewegtes und darin eben auch sehr flüchtige Stück; in den «Textures» werden mehrere rhythmische Schichten übereinandergelegt und ins Changieren gebracht.

Antoine Fachard, aus Lausanne stammend, studierte in Bern Komposition und Theorie bei Daniel Glaus. Das Orgelstück «Coïncidences» schrieb er für seinen Studienkollegen Samuel Cosandey. Das Stück besteht aus zwei aufeinander folgenden gegenläufigen Prozessen, von denen der eine der Spiegel des anderen ist – ähnlich wie ein grosses Ein- und Ausatmen. Getrennt werden sie durch eine vertikale Symmetrieachse, das mittlere F in der 333. Sekunde. Die Klanggesten des ersten Teils nähern sich von den Extremen ausgehend immer mehr diesem Zentrum – und entfernen sich wieder, freilich in einer Beschleunigung. Die Musik ist also keineswegs strikt rückläufig komponiert. Die Form entspricht aber insgesamt der rhetorischen Figur des Chiasmus, der x-förmigen Kreuzung zweier Bewegungen. Sie taucht in der Musikästhetik von Antoine Fachard immer wieder auf, denn er sucht immer wieder diesen Effekt: Man entfernt sich allmählich von einem Ausgangspunkt und kehrt doch fatalerweise wieder dorthin zurück – «so wie Sisyphus, der wie lange er auch immer dafür gebraucht hat, anderntags doch immer wieder aufs Neue beginnen muss…». Nach diesen beiden prozesshaften Teilen folgt ein kürzerer, instabiler Abschnitt, in dem Elemente von zuvor wiederaufgegriffen, und schliesslich eine fliessende Coda, die endlich in der Höhe entschwindet.

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Eröffnungsfeier https://www.kirchenmusikkongress.ch/programm/eroeffnungsfeier/ Mon, 16 Mar 2015 20:26:35 +0000 http://www.kirchenmusikkongress.ch/?post_type=event&p=93 Eröffnungsprogramm

Daniel Glaus Orgel
Improvisationen auf der winddynamischen Orgel
Dem Wind ausgesetzt

Grussworte
Thomas Gartmann, Präsident Trägerverein
Bernhard Pulver, Regierungsrat, Erziehungsdirektor Kanton Bern
Gottfried W. Locher, Präsident des Rates des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes
Markus Büchel, Bischof von St. Gallen, Präsident der Schweizer Bischofskonferenz

Daniel Glaus Orgel
Xavier Dayer (*1972)
Cantus III pour orgue (2015)
Uraufführung

Festrede
Thomas Hürlimann «Zwischentöne»

Preisträgerrezital des Internationalen Orgelwettbewerbs Bern 2015
Maximilian Schnaus Orgel

Winddynamische Orgel:
Giacinto Scelsi (1905–1988)
In nomine lucis (1970)

Grosse Orgel:
Maximilian Schnaus (*1986)
Come sweetest death (2013)
I Drück mir die Augen zu / Komm, selge Ruh!
II Im Himmel ist es besser / da alle Lust viel grösser
III O Welt, du Marterkammer
IV Aus dieser schwarzen Welt / ins blaue Sternenzelt
V Ich will nun Jesum sehen / und bei den Engeln stehen

Brian Ferneyhough (*1943)
Sieben Sterne 1974
Refrain Ia
Refrain Ib
Verse-Capriccio I
Tract I
Refrain IIa
Refrain IIb
Tract II
Verse-Capriccio II
Refrain IIIa
Refrain IIIb

 

Xavier Dayer schreibt zu seinem Daniel Glaus gewidmeten neuen Orgelstück Cantus III, das er im Auftrag des 5. Internationalen Kongresses für Kirchenmusik Bern 2015 und mit finanzieller Unterstützung der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia komponierte:
«Cette œuvre pour orgue solo a été guidée par l’idée d’une trame harmonique noyée. Ainsi cette musique déconstruit un fragment des ‹Sept dernières paroles du Christ en croix› de Haydn. Il s’agit du ‹Pater dimitte illis, non enim sciunt, quid faciunt› (Hob. III: 50–56, Sonata I: Largo, mesures 82 à 87; version quatuor à cordes).
Concernant les registrations cette pièce contient quatre couleurs qui doivent être très distinctes:
1 lontano = son très doux qui se ‹noie› dans les résonnances de l’église;

2 espressivo = son mélodique ‹en dehors›, dans l’esprit d’un solo à l’orchestre;
3 heurté = son cristallin et percussif;
4 sonore = son riche et plein, dans l’esprit d’un tutti d’orchestre à l’unisson.
Le résultat sonore est aux antipodes de Haydn pour autant que cela soit possible.»

Am 20. März 2015 wurde im Rahmen der Berner Museumsnacht das Finale des Internationalen Berner Orgelwettbewerbs durchgeführt, eine Gemeinschaftsproduktion des 5. Internationalen Kongresses für Kirchenmusik, des Kirchenklangfests cantars 2015, des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbunds und der Kirchgemeinde Münster Bern. Vier Finalisten waren dabei zu hören: Samuel Cosandey aus der Schweiz, Kensuke Ohira aus Japan, Maximilian Schnaus aus Deutschland und Simone Vebber aus Italien.
«Alle Präsentationen standen auf höchstem Niveau. Die Jury zeigte sich erfreut über die Darbietungen», wie die Jury in ihrem Schlussbericht erwähnte. Dieser internationalen Jury gehörten an: Präsident Laurent Mettraux (Vizepräsident des Schweizerischen Tonkünstlervereins), Elisabeth Zawadke (Musikhochschule Luzern), Bernhard Haas (Musikhochschule München), Dominik Susteck (Kunststation St. Peter Köln) und Daniel Glaus von der HKB. Die Jury empfahl der Programmkommission des 5. Internationalen Kirchenmusikkongresses, Maximilian Schnaus für das Eröffnungskonzert am 21. Oktober in Bern einzuladen. Samuel Cosandey aus Bex, dessen Spiel und visionäre Programmation lobende Anerkennung fanden, wird unter anderem im Rahmen des Orgelspaziergangs am Mittwochnachmittag das Werk Coïncidences von Antoine Fachard aufführen. (Link zum Orgelspaziergang)

Der Preisträger Maximilian Schnaus aus Berlin spielt drei gewichtige zeitgenössische Werke. Er schreibt zu seiner Programmauswahl:
«Giacinto Scelsi ist eine rätselhafte Figur der Neuen Musik, dessen eigenwilliges Werk nur schwer in die verschiedenen Strömungen der Moderne eingeordnet werden kann. ‹In nomine lucis› entstand als intuitive Improvisation, von Scelsi auf einer Ondiola improvisiert und von einem anderen Komponisten in Notenschrift für Orgel übertragen. Das Resultat dieser Arbeitsweise, eine sphärische Apparition über dem Ton Cis, ist frappant, trotz der durch Scelsis Abneigung gegenüber traditioneller Handwerklichkeit selbstauferlegten Beschränkung des Vokabulars.
Die zeitlupenhafte Langsamkeit der Bach-Transkription ‹Come sweetest death› von Virgil Fox (1912–1980), die den Zuhörer ins Innere der Harmonien eintauchen zu lassen scheint, ist ästhetischer Ausgangspunkt meiner eigenen Komposition. Als Symbol dafür, dass auch hier der Weg nach Innen führt, wird am Anfang ein von Fox zitierter, gebrochener Dreiklang von einem katatonischen Rauschen überlagert und verdeckt. Die Musik beschreibt einen unterschiedliche Bedeutungsebenen in sich vereinenden Bewusstseinsstrom. Innen und Aussen sind darin nicht klar zu unterscheiden, und entsprechend vielfältig kann jenes Rauschen verortet werden: Es kann physikalisch sein, kosmisch oder terrestrisch, urbanes Hintergrundgeräusch, aber auch intrauterines Rauschen als Hinweis auf eine embryonale Position der Wahrnehmung, eine Melange aus dem Rauschen der mütterlichen Aorta, des Herzschlags, Geräuschen des eigenen Körpers und äusseren Geräuschen, durch Fruchtwasser verzerrt und gefiltert. Die ‹Position› des Musikrezipienten bildet dazu eine Analogie: Musik klingt in einem bestimmten Raum (der für eine Orgel wichtiger zu sein scheint als für fast jedes andere Musikinstrument). Jeder Einzelne hört also das Instrument, und «hört» in der Art, wie der Raum den Klang beeinflusst auch den Raum selbst; jeder Einzelne hört dies alles aber, gefiltert durch mehr oder weniger zuverlässige Sinnesorgane, ausschliesslich aus dem Inneren seiner Schädelhöhle.

Der Titel von Brian Ferneyhoughs Komposition Sieben Sterne bezieht sich auf Albrecht Dürers apokalyptischen Holzschnitt ‹Gott Vater›, aus dessen bildlicher Symbolik die strukturelle Anlage direkt entfaltet werden kann: Die sieben Sterne entsprechen den sieben Abschnitten, symmetrisch um ein Zentrum gruppiert, das zweischneidige Schwert wiederum steht für das doppelgesichtige Wesen fester und freier Notationsformen. Ferneyhoughs Musik verbirgt unter der schimmernden Oberfläche Tiefendimensionen, die sich dem Zuhörer erst nach und nach erschliessen. Seine pathologische Komplexität ist dabei kein Selbstzweck: Durch die serielle Schule gegangen, erkennt Ferneyhough die Notwendigkeit an, das musikalische Material mit neuer emotionaler Intensität zu belehnen. Die Vorstellung von direkter Expressivität wird dabei durch die enorme Ereignisdichte ersetzt und hintertrieben.»
Maximilian Schnaus

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Laudes https://www.kirchenmusikkongress.ch/programm/laudes/ Mon, 16 Mar 2015 20:39:44 +0000 http://www.kirchenmusikkongress.ch/?post_type=event&p=94 Laudes I
Laudes nach christkatholischem Ritus
(sogenannte Monastische Form)

 

Pfrn. Anne-Marie Kaufmann Liturgie

Helene Ringgenberg Kantorin

 

Eröffnung

Psalmodie:

Erster Psalm (Psalm 42)
Alttestamentliches Canticum
Zweiter Psalm (Psalm 150, der grosse Lobpreis)

Wortgottesdienst:

Lobspruch
Lesung
Wechselgesang
Hymnus
Versikel
Neutestamentliches Canticum
(Lukas 1, 67–80, Lobgesang des Zacharias)

Bitten
Vaterunser
Fürbitten

Abschluss

 

(Die folgenden Erläuterungen beziehen sich auf die beiden Typen der Laudes, die in der christkatholischen Kirche gefeiert werden, teils also auf die Laudes I vom Donnerstag, teils auf die Laudes II vom Samstag am selben Ort.)

Zu den Laudes-Gottesdiensten
Der lateinische Name «laudes» (Lobgesänge) steht für das gemeinschaftliche Gebet der christlichen Kirche am Morgen; die Entsprechung für das Gebet am Abend ist die Vesper.
Morgen und Abend haben sich schon früh als feste Tageszeiten der wachsenden Gemeinden etabliert; daneben gab es – für Einzelne oder kleinere Gruppen – noch andere Gebetsstunden am Tag oder auch in der Nacht. All diese Tagzeitengottesdienste sind seit langem fast nur noch in monastischen Gemeinschaften lebendig.

Die hier vorgestellte monastische «Morgengebet – Laudes» umfasst fünf Teile. Nach einer kurzen Eröffnung bildet der Lobpreis für das Licht am Morgen das erste besondere Kennzeichen dieser Form des Morgengebets. Ein Strophenlied spielt mit dem Gedanken, dass die aufgehende Sonne ein Zeichen für Christus, das Licht der Welt, ist, dessen Kommen zu den Menschen immer neu erwartet wird.
Auf sie folgt das Benedictus (Lk 1,46–55), das nun antiphonal, d.h. im Wechsel von zwei Gruppen (z.B. Frauen/Männer) gesungen und von einem Leitvers gerahmt wird. Kyrie, Vaterunser, feste oder freie Fürbitten und eine Oration der dem Gottesdienst vorstehenden Person, die alle nach einem einfachen Kantillationsmuster gesungen werden, bilden als an Gott gerichtete Gebetsfolge gleichsam die Antwort auf die Schriftverkündigung.
Hinsichtlich des musikalischen Idioms werden die Laudes am Donnerstag, 22. Oktober, auf die eben beschriebene Weise gesungen. Hingegen kommt am Samstag, 24. Oktober um 8.00 Uhr eine 2015 entstandene Vertonung von Johannes Sonnleitner zum Zug. Link
Urs von Arx

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Laudes https://www.kirchenmusikkongress.ch/programm/laudes-2/ Mon, 16 Mar 2015 20:41:50 +0000 http://www.kirchenmusikkongress.ch/?post_type=event&p=95 12 aphoristische Betrachtungen über das Wesen des Menschen

 

Vokalquartett
Moritz Achermann
Jürg Stähli
Kurt Meier
Beat Senn

 

Hans Studer (1911–1984)
Spruch-Motette nach Worten von Jeremias Gotthelf (1970)

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Albert Bitzius alias Jeremias Gotthelf, Pfarrer von Lützelflüh im Emmental, wusste, wie er von der Kanzel her seine Botschaften kurz und bündig anbringen musste. Solche Sprüche oder Sentenzen, die von aphoristischer Knappheit sind, finden sich auch überall in seinen Büchern. Und sie sind manchmal von bestürzender Eindringlichkeit. Das mag auch einen Komponisten reizen. So gehört die «Spruch-Motette nach Worten von Jeremias Gotthelf» zu den gewichtigen späten Werken von Hans Studer.
Studer, Organist und Kirchenchorleiter an seinem Geburtsort Muri BE und Kompositionsschüler von Willy Burkhard und Albert Moeschinger, früh übrigens von Hermann Scherchen in Winterthur aufgeführt, stand dem neobarocken Stil eines Paul Hindemith und Willy Burkhard nahe. Und er stand in der Tradition protestantischer Kirchenmusik. Zahlreich sind seine Werke besonders für Orgel und für Chor a cappella. Auffallend ist dabei die Vielfalt der Textvorlagen, die von der griechischen Antike über altchinesische Poesie bis zur Romantik und zu zeitgenössischer Naturlyrik reicht. Besonders in den letzten Lebensjahrzehnten erweiterte Studer damit sein Ausdrucksspektrum nochmals beträchtlich. Diese Erweiterung, so der Musikwissenschaftler Max Favre, geht einher «mit der Erweiterung der kompositorischen Mittel (grössere Vielfalt und charakteristischer Einsatz des Instrumentariums, erstmalige partielle, nicht strenge Anwendung von Zwölftonkomplexen und damit Anzeichen einer Abwendung von modaler Diatonik)».
In diesen Zusammenhang gehört auch die «Spruch-Motette». Zwölf aphoristische Betrachtungen Gotthelfs hat Studer hier versammelt und daraus für die Berner Singstudenten einen Zyklus geschaffen. Die Komposition wurde am 5. Januar 1970 abgeschlossen und zwei Jahre später als «Spruch-Kantate / nach Worten von Jeremias Gotthelf und einem Hausspruch» für gemischten Chor und Orchester weiter ausgearbeitet.

I Der Mensch kennt alle Dinge der Erde – aber den Menschen kennt er nicht. (Bauernspiegel)

II Wie gering ein Mensch sein mag, so hat er doch einen Namen. (Uli der Knecht)

III Je unbedeutender ein Mensch ist, für desto bedeutender hält er alles, was er tut. (Der Herr Esau)

IV Gut haben, das kann bald jeder Narr, wenn er dazu kommt. Aber sich zu rühren in der rechten Zeit, das ist eine Kunst für gescheite Leute. (Leiden und Freuden eines Schulmeisters)

V Was man nicht begreift, das schreit man als dumm aus. Je dümmer einer ist, desto übermütiger und einbildischer ist er. (Besuch auf dem Lande)

VI Es ist gar wunderlich mit der sogenannten Bildung: Sie ist gar oft nichts als ein simpler Kleister über eine rohe Natur. (Uli der Pächter)

VII Bedenke, wie dunkel das Leben wird, wenn der trübselige Mensch seine eigene Sonne sein will. (Anne Bäbi Jowäger)

VIII Alle Menschen empfangen von Gott zwei grosse Kapitale, die man zinsbar zu machen hat, nämlich: Kräfte und Zeit. (Uli der Knecht)

IX Lachen ist ein Heilmittel, dessen stillende Kraft man nicht sattsam ermisst. (Der Herr Esau)

X Das Alte kann man wohl zerstören. Aber ob dann wirklich das Neue werde, welches man anstrebt: Das ist eine andere Sache. (Die drei Brüder)

XI Die Ordnung Gottes lässt sich nicht ungestraft verkehren, und die Weisheit wird nicht angeboren, sondern erworben. (Die drei Brüder)

XII Wohl dem, der seinem Leben einen Hauptpfeiler setzt, den keine Gwalt zertrümmern, kein Tod in Staub verwandeln kann. (Der Bauernspiegel)

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Laudes https://www.kirchenmusikkongress.ch/programm/laudes-4/ Mon, 16 Mar 2015 20:43:43 +0000 http://www.kirchenmusikkongress.ch/?post_type=event&p=97 Laus perpetua – Un office matinal de Taizé
Improvisations de l’orgue et de l’électronique

 

Antonio García orgue
Marie-Josèphe Glardon pasteure
Claudio Giampietro électronique

 

Laus perpetua – Un office matinal de Taizé
«Louez Dieu dans son sanctuaire! Louez-le avec l’orgue et par des chants! Louez-le au son de la musique électronique!»

Louange perpétuelle qui, dès le lever du jour, salue la bonté de Dieu et le loue, tout autour de la terre. Une louange pour tous les temps, pour toutes les heures. Par tous les sons et toutes les musiques. Par le silence et la parole. Louange tout azimut!
Louer Dieu, répercuter comme en écho sa magnificence, c’est le ministère confié aux humains. Dire et chanter, contempler et écouter le murmure de la Parole, l’Evangile de la vie: «Comme un souffle fragile ta parole se donne, comme un vase d’argile, Ton amour nous façonne. Ta parole est murmure comme un secret d’amour…»
Le souffle de nos poumons, le souffle de l’orgue et de tous les instruments à vent, le son des instruments à cordes, à percussion, et de toutes les musiques, de toutes les manières, chante la tendresse de Dieu, sa fidèlité, sa présence. C’est ce que proclame le psaume 150.
C’est depuis des siècles ce que les communautés monastiques, de nuit et de jour, en huit offices s’accordent à vivre pour toute la création, d’un bout de la terre à l’autre, du lever du soleil à son coucher, et même la nuit.
D’abord Matines ou Vigiles au milieu de la nuit. Puis Laudes à l’aurore. Prime, à la première heure du jour. Suivent, Tierce, Sexte et None, toutes les trois heures. Le soir, les Vêpres. Puis les Complies avant le coucher. Ce sont les heures canoniales. Une laus perpetua!
A la suite de la tradition bénédictine, puis cistercienne, c’est ce que la communauté œcuménique de Taizé permet de vivre, avec les Frères de Taizé, trois fois par jour, et qu’ont adopté beaucoup de chrétiens, en communion avec tant de monastères et d’Eglises à travers le monde. Laus perpetua! Partout, toujours!
Louange, écoute de l’Evangile, silence, intercession lient et relient, par-delà les âges, les lieux, les langues ou les spiritualités.
Avec beaucoup d’autres communautés, l’Eglise réformée française de Berne célèbre, à côté de cultes très différents, des offices de Taizé. La paroisse de la Nydegg le fait régulièrement, le premier dimanche du mois à 20h.
L’office des Laudes du 22 octobre à l’église française joindra des chants traditionnels de Taizé à de la musique électronique.
Que tout, que tous, toujours, louent le Seigneur, le prient et écoutent sa voix!
Marie-Josèphe Glardon

]]> Laudes https://www.kirchenmusikkongress.ch/programm/laudes-3/ Mon, 16 Mar 2015 20:42:56 +0000 http://www.kirchenmusikkongress.ch/?post_type=event&p=96 Meret Roth Sopran
Johann Sonnleitner Viertelton-Orgel

 

Heiner Ruland (*1934)
Das Hohenfrieder Orgelheft (1985)
Sieben kleine Übe-und Spielstücke zu den Wochentagen für die Viertelton-Orgel

Johann Sonnleitner (*1941)
Psalm 121: Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen (2009)
für hohe Singstimme und Viertelton-Orgel

 

Im Rahmen der Laudes wird die von Peter Kraul 2008 gebaute Viertelton-Orgel mit Musik in erweiterter Tonalität vorgestellt. Der Orgelbauer aus Herdwangen-Schönach hat sich seit langem schon auf speziell gestimmte Orgeln spezialisiert. Sie ist konzipiert als «Manualwerk» mit Teilung in Bass- und Diskantwerk. Der Spieltisch ist zwischen der Werken. Das Manual reicht von FF bis f3 – mit geteilten Schleifen bei f/fis. Das erweiterte Tonsystem reicht von a bis c3.

Die Disposition:
Manual: Prinzipal 8’, Salizional 8’, Gedackt 8’, Samthorn 8’, Rohrflöte 4’, Oktave 4’, Quinte 2 2/3, Oktavin 2’, Larigot 1 1/3, Mixtur
Pedal: Subbass 16’, Oktavbass 8’, Choralbass 4’ (Transmissionen aus Gedackt, Prinzipal, Oktave und Oktavin)
Koppel: Man.8’/Ped., Man.16’/Ped., eine mechanische Setzerkombination, Winddruckregulierung.

Die Christengemeinschaft wirkt seit ihrer Gründung 1922 für eine Erneuerung des christlichen Lebens. Im Zusammenhang mit dem erneuerten Kultus pflegt sie vielfältige künstlerische Aufgabenfelder, z.B. Architektur, Plastik, Malerei und Musik. In einigen ihrer Kirchen (Zürich, Basel, Bern, Hamburg-Blankenese) stehen neu entwickelte Orgeln mit 24 Tönen pro Oktave für die neue Musik in erweiterter Tonalität.

Mit erweiterter Tonalität ist die Einbeziehung von Intervallen aus der Naturtonreihe (Obertonreihe) und ihrer Spiegelform («Untertonreihe») gemeint. Es handelt sich um die Naturseptime 4/7, die Naturquart (Alphorn-Fa) 8/11 und der Natursext 8/13, wie sie in der «Alphornskala» vorkommen und um deren gespiegelte Formen, die aus der Volksmusik Südosteuropas bekannt sind. Diese Intervalle erklingen allerdings nicht in mathematisch exakter Naturreinheit, sondern in einer sanft temperierten Intonation. Analog zum üblichen temperierten Quintenzirkel wird ein Zirkel aus minimal temperierten 24 Naturquarten 8/11 gestimmt, der das Spiel der Naturtonskalen in allen Tonarten sowie die enharmonische Umwandlung aller Töne erlaubt. Die Zwischentasten für das erweiterte Tonsystem sind über einen Fusstritt einschaltbar.
Bei «erweiterter Tonalität» handelt es sich, wie ihre Vertreter betonen, nicht um eine «Vierteltonmusik». (vgl. http://www.erweiterte-tonalitaet.ch) Bei mikrotonalen Bestrebungen, bei denen der Halbton in Viertel-, Fünftel-, Sechstel-oder Zwölfteltöne aufgesplittert wird, wird die Erweiterung des Tonsystems als gesteigerte Expressivität verstanden, bei der Musik in erweiterter Tonalität geht es um das objektive Erlauschen von Urintervallen, die einerseits in der Gesetzmässigkeit der physikalischen Naturtonreihe veranlagt sind, andererseits das Geheimnis der seelisch-geistigen Entwicklung des Menschen in sich bergen. Dazu scheint es ein Widerspruch zu sein, die Klaviatur auf einer Viertelton-Orgel in 24 Vierteltontasten pro Oktave zu unterteilen. In der Praxis jedoch hat sich diese Aufteilung bewährt: als ein «Raster», der fein genug ist, einerseits die Intervallqualitäten (Naturquart, -sext und -septim) auch in sanft temperierter Form zu erkennen und andererseits auch enharmonisch verwandelbar zu machen.
Im Rahmen der Laudes erklingt «Das Hohenfrieder Orgelheft», eine 1985 für die Viertelton-Orgel komponierte Sammlung von sieben kleinen Übe-und Spielstücken zu den Wochentagen. Der deutsche Komponist, Musikpädagoge und Musiktherapeut Heiner Ruland, einer der Protagonisten der erweiterten Tonalität, hat ausgehend von den Forschungen Kathleen Schlesingers und den Anregungen Rudolf Steiners eine intensive musikalisch-anthroposophische Forschungsarbeit entfaltet. In seinem Hauptwerk «Ein Weg zur Erweiterung des Tonerlebens. Musikalische Tonkunde am Monochord» (1981) strebte er an, einen Leitfaden durch den Wirrwarr des tonsystemlichen Chaos zu geben.
Die sieben Stücke sind den sieben alten astrologischen Planeten zugeordnet und vom Charakter her klar umrissen:

Sonntag           Sonne       strahlend, froh
Montag            Mond        träumend, raunend
Dienstag          Mars          zupackend, eigenwillig
Mittwoch         Merkur     beflügelt, leuchtend
Donnerstag     Jupiter     gemessen, schreitend
Freitag              Venus       wiegend, singend
Samstag           Saturn      lastend, zögernd

Johann Sonnleitner, der sich ebenfalls intensiv mit erweiterter Tonalität beschäftigt, komponierte seine Psalmvertonung «Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen» 2009 für hohe Singstimme und Viertelton-Orgel. (Vgl. auch den Text zu den Laudes an St. Peter und Paul am Samstag, 24. Oktober, 8 Uhr) Link.

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