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SUMMARY: Eröffnungsfeier
DESCRIPTION: Eröffnungsprogramm Daniel Glaus Orgel Improvisationen auf der 
 winddynamischen Orgel Dem Wind ausgesetzt Grussworte Thomas Gartmann\, Präs
 ident Trägerverein Bernhard Pulver\, Regierungsrat\, Erziehungsdirektor Kan
 ton Bern Gottfried W. Locher\, Präsident des Rates des Schweizerischen Evan
 gelischen Kirchenbundes Markus Büchel\, Bischof von St. Gallen\, Präsident 
 der Schweizer Bischofskonferenz Daniel Glaus Orgel Xavier Dayer (*1972) Can
 tus III pour orgue (2015) Uraufführung […]
X-ALT-DESC;FMTTYPE=text/html: <p><strong>Eröffnungsprogramm</strong></p><p>
 <strong>Daniel Glaus</strong> Orgel<br />Improvisationen auf der winddynami
 schen Orgel<br />Dem Wind ausgesetzt</p><p><strong>Grussworte</strong><br /
 >Thomas Gartmann\, Präsident Trägerverein<br />Bernhard Pulver\, Regierungs
 rat\, Erziehungsdirektor Kanton Bern<br />Gottfried W. Locher\, Präsident d
 es Rates des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes<br />Markus Büchel
 \, Bischof von St. Gallen\, Präsident der Schweizer Bischofskonferenz</p><p
 ><strong>Daniel Glaus</strong> Orgel<br /><strong>Xavier Dayer</strong> (*1
 972)<br />Cantus III pour orgue (2015)<br />Uraufführung</p><p><strong>Fest
 rede</strong><br /><strong>Thomas Hürlimann</strong> «Zwischentöne»</p><p><
 strong>Preisträgerrezital des Internationalen Orgelwettbewerbs Bern 2015</s
 trong> <br /><strong>Maximilian Schnaus</strong> Orgel</p><p><a href="http:
 //www.kirchenmusikkongress.ch/die-winddynamische-orgel/">Winddynamische Org
 el:</a><br /><strong>Giacinto Scelsi</strong> (1905–1988)<br />In nomine lu
 cis (1970)</p><p>Grosse Orgel:<br /><strong>Maximilian Schnaus</strong> (*1
 986)<br />Come sweetest death (2013)<br />I Drück mir die Augen zu / Komm\,
  selge Ruh!<br />II Im Himmel ist es besser / da alle Lust viel grösser<br 
 />III O Welt\, du Marterkammer<br />IV Aus dieser schwarzen Welt / ins blau
 e Sternenzelt<br />V Ich will nun Jesum sehen / und bei den Engeln stehen</
 p><p><strong>Brian Ferneyhough</strong> (*1943)<br />Sieben Sterne 1974<br 
 />Refrain Ia<br />Refrain Ib<br />Verse-Capriccio I<br />Tract I<br />Refra
 in IIa<br />Refrain IIb<br />Tract II<br />Verse-Capriccio II<br />Refrain 
 IIIa<br />Refrain IIIb</p><p> </p><p><strong>Xavier Dayer</strong> schreibt
  zu seinem Daniel Glaus gewidmeten neuen Orgelstück Cantus III\, das er im 
 Auftrag des 5. Internationalen Kongresses für Kirchenmusik Bern 2015 und mi
 t finanzieller Unterstützung der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia komp
 onierte: <br />«Cette œuvre pour orgue solo a été guidée par l’idée d’une t
 rame harmonique noyée. Ainsi cette musique déconstruit un fragment des ‹Sep
 t dernières paroles du Christ en croix› de Haydn. Il s’agit du ‹Pater dimit
 te illis\, non enim sciunt\, quid faciunt› (Hob. III: 50–56\, Sonata I: Lar
 go\, mesures 82 à 87\; version quatuor à cordes). <br />Concernant les regi
 strations cette pièce contient quatre couleurs qui doivent être très distin
 ctes:<br />1 lontano = son très doux qui se ‹noie› dans les résonnances de 
 l'église\;<br /> <br />2 espressivo = son mélodique ‹en dehors›\, dans l'es
 prit d'un solo à l'orchestre\; <br />3 heurté = son cristallin et percussif
 \;<br />4 sonore = son riche et plein\, dans l'esprit d'un tutti d'orchestr
 e à l'unisson.<br />Le résultat sonore est aux antipodes de Haydn pour auta
 nt que cela soit possible.»</p><p>Am 20. März 2015 wurde im Rahmen der Bern
 er Museumsnacht das Finale des <strong>Internationalen Berner Orgelwettbewe
 rbs</strong> durchgeführt\, eine Gemeinschaftsproduktion des 5. Internation
 alen Kongresses für Kirchenmusik\, des Kirchenklangfests cantars 2015\, des
  Schweizerischen Evangelischen Kirchenbunds und der Kirchgemeinde Münster B
 ern. Vier Finalisten waren dabei zu hören: Samuel Cosandey aus der Schweiz\
 , Kensuke Ohira aus Japan\, Maximilian Schnaus aus Deutschland und Simone V
 ebber aus Italien. <br />«Alle Präsentationen standen auf höchstem Niveau. 
 Die Jury zeigte sich erfreut über die Darbietungen»\, wie die Jury in ihrem
  Schlussbericht erwähnte. Dieser internationalen Jury gehörten an: Präsiden
 t Laurent Mettraux (Vizepräsident des Schweizerischen Tonkünstlervereins)\,
  Elisabeth Zawadke (Musikhochschule Luzern)\, Bernhard Haas (Musikhochschul
 e München)\, Dominik Susteck (Kunststation St. Peter Köln) und Daniel Glaus
  von der HKB. Die Jury empfahl der Programmkommission des 5. Internationale
 n Kirchenmusikkongresses\, Maximilian Schnaus für das Eröffnungskonzert am 
 21. Oktober in Bern einzuladen. Samuel Cosandey aus Bex\, dessen Spiel und 
 visionäre Programmation lobende Anerkennung fanden\, wird unter anderem im 
 Rahmen des Orgelspaziergangs am Mittwochnachmittag das Werk Coïncidences vo
 n Antoine Fachard aufführen. (<a href="https://www.kirchenmusikkongress.ch/p
 rogramm/orgelspaziergang-teil-1/">Link zum Orgelspaziergang</a>)</p><p>Der 
 Preisträger Maximilian Schnaus aus Berlin spielt drei gewichtige zeitgenöss
 ische Werke. Er schreibt zu seiner Programmauswahl:<br />«<strong>Giacinto 
 Scelsi</strong> ist eine rätselhafte Figur der Neuen Musik\, dessen eigenwi
 lliges Werk nur schwer in die verschiedenen Strömungen der Moderne eingeord
 net werden kann. ‹In nomine lucis› entstand als intuitive Improvisation\, v
 on Scelsi auf einer Ondiola improvisiert und von einem anderen Komponisten 
 in Notenschrift für Orgel übertragen. Das Resultat dieser Arbeitsweise\, ei
 ne sphärische Apparition über dem Ton Cis\, ist frappant\, trotz der durch 
 Scelsis Abneigung gegenüber traditioneller Handwerklichkeit selbstauferlegt
 en Beschränkung des Vokabulars.<br />Die zeitlupenhafte Langsamkeit der Bac
 h-Transkription ‹Come sweetest death› von Virgil Fox (1912–1980)\, die den 
 Zuhörer ins Innere der Harmonien eintauchen zu lassen scheint\, ist ästheti
 scher Ausgangspunkt meiner eigenen Komposition. Als Symbol dafür\, dass auc
 h hier der Weg nach Innen führt\, wird am Anfang ein von Fox zitierter\, ge
 brochener Dreiklang von einem katatonischen Rauschen überlagert und verdeck
 t. Die Musik beschreibt einen unterschiedliche Bedeutungsebenen in sich ver
 einenden Bewusstseinsstrom. Innen und Aussen sind darin nicht klar zu unter
 scheiden\, und entsprechend vielfältig kann jenes Rauschen verortet werden:
  Es kann physikalisch sein\, kosmisch oder terrestrisch\, urbanes Hintergru
 ndgeräusch\, aber auch intrauterines Rauschen als Hinweis auf eine embryona
 le Position der Wahrnehmung\, eine Melange aus dem Rauschen der mütterliche
 n Aorta\, des Herzschlags\, Geräuschen des eigenen Körpers und äusseren Ger
 äuschen\, durch Fruchtwasser verzerrt und gefiltert. Die ‹Position› des Mus
 ikrezipienten bildet dazu eine Analogie: Musik klingt in einem bestimmten R
 aum (der für eine Orgel wichtiger zu sein scheint als für fast jedes andere
  Musikinstrument). Jeder Einzelne hört also das Instrument\, und «hört» in 
 der Art\, wie der Raum den Klang beeinflusst auch den Raum selbst\; jeder E
 inzelne hört dies alles aber\, gefiltert durch mehr oder weniger zuverlässi
 ge Sinnesorgane\, ausschliesslich aus dem Inneren seiner Schädelhöhle.</p><
 p>Der Titel von <strong>Brian Ferneyhoughs</strong> Komposition Sieben Ster
 ne bezieht sich auf Albrecht Dürers apokalyptischen Holzschnitt ‹Gott Vater
 ›\, aus dessen bildlicher Symbolik die strukturelle Anlage direkt entfaltet
  werden kann: Die sieben Sterne entsprechen den sieben Abschnitten\, symmet
 risch um ein Zentrum gruppiert\, das zweischneidige Schwert wiederum steht 
 für das doppelgesichtige Wesen fester und freier Notationsformen. Ferneyhou
 ghs Musik verbirgt unter der schimmernden Oberfläche Tiefendimensionen\, di
 e sich dem Zuhörer erst nach und nach erschliessen. Seine pathologische Kom
 plexität ist dabei kein Selbstzweck: Durch die serielle Schule gegangen\, e
 rkennt Ferneyhough die Notwendigkeit an\, das musikalische Material mit neu
 er emotionaler Intensität zu belehnen. Die Vorstellung von direkter Express
 ivität wird dabei durch die enorme Ereignisdichte ersetzt und hintertrieben
 .»<br />Maximilian Schnaus</p>
CATEGORIES:Konzert,Urauffuehrung
LOCATION:Berner Münster
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SUMMARY: Konzert Junge Stimmen
DESCRIPTION: Chor des Gymnasiums Neufeld Bern Christoph Marti\, Adrienne Ry
 chard\, Bruno Späti Leitung Chor Universität Bern Matthias Heep Leitung And
 rea Suter Sopran Kai Wessel Altus Richard Helm Bariton Bettina Boller Violi
 ne   Burkhard Kinzler (*1963) Kain und Abel (2014) I Geschichte\, IV Kommen
 tare und X Anrufungen unter Verwendung des Chorals «Durch Adams Fall ist ga
 nz verderbt»\, […]
X-ALT-DESC;FMTTYPE=text/html: <p><strong>Chor des Gymnasiums Neufeld Bern <
 /strong><br /><strong>Christoph Marti\, Adrienne Rychard\, Bruno Späti</str
 ong> Leitung <br /><strong>Chor Universität Bern</strong><br /><strong>Matt
 hias Heep</strong> Leitung<br /><strong>Andrea Suter</strong> Sopran<br /><
 strong>Kai Wessel</strong> Altus<br /><strong>Richard Helm</strong> Bariton
 <br /><strong>Bettina Boller</strong> Violine</p><p> </p><p><strong>Burkhar
 d Kinzler </strong>(*1963)<br />Kain und Abel (2014)<br />I Geschichte\, IV
  Kommentare und X Anrufungen<br />unter Verwendung des Chorals «Durch Adams
  Fall ist ganz verderbt»\, dem Bibeltext (Genesis 3\, 9\; Genesis 4\, 1–10)
  sowie Gedichten von Jean Apatride\, Hilde Domin\, Erich Fried\, Dan Pagis\
 , Christa Reinig\, Helmhold Reinshagen und Nelly Sachs <br />für Sopran\, A
 ltus und Bariton solo\, Violine solo und gemischten Chor<br />Uraufführung<
 /p><p><strong>Christian Henking</strong> (*1961)<br />Ruh du nur in guter R
 uh (2014)<br />für 8 Chöre\, Sopran\, Altus\, Bariton\, Solo-Geige und 3 Di
 rigenten<br />Uraufführung</p><p><strong>Iris Szeghy</strong> (*1956)<br />
 Stabat Mater (2014)<br />für Sopran\, 3 gemischte Chöre und Violine solo <b
 r />Uraufführung</p><p>1. Stabat mater<br />2. Quis est homo<br />3. Pro pe
 ccatis suae gentis<br />4. Fac me tecum pie flere<br />5. Christe\, cum sit
  hinc exire</p><p> </p><p>Der Chor des Gymnasiums Neufeld ist für seine exp
 erimentierfreudigen und konzeptionell beziehungsreichen Programme bekannt. 
 Gemeinsam mit dem Chor der Universität Bern lotet er aus\, wohin die Kirche
 nmusik im 21. Jahrhundert führen könnte. Der Kongress gab hierfür bei drei 
 KomponistInnen Werke in Auftrag\, die sich innovativ mit der Tradition ause
 inandersetzen. Den roten Faden bildet dabei der Einbezug der einzigartigen 
 Münsterakustik mit den Brennpunkten Empore\, Mittelgang\, Kanzelplatz\, Alt
 arstufen und Chorpodium. Verbunden damit ist das Spiel mit der Mehrchörigke
 it\; die gemeinsame Besetzung mit Chören\, Sopran\, Countertenor\, Bariton 
 und einer im Raum wandelnden Sologeigerin. Schliesslich wird auf den Berner
  Renaissance-Komponisten und Politiker Cosmas Alder (um 1497–1550) verwiese
 n\, von dem immer wieder ein Zitat aufscheint. Stilistisch zeigen die drei 
 Werke die ganze Breite heutigen Komponierens und spannen auch theologisch e
 inen grossen Bogen: Burkhard Kinzler schrieb eine Kantate «Kain und Abel» a
 uf eine Vielzahl von Texten\, die er in Geschichte\, Kommentare und Anrufun
 gen gruppiert. Christian Henking teilt in «Ruh du nur in guter Ruh» die Sän
 gerinnen und Sänger gleich in acht Chöre mit drei Dirigenten auf und verwen
 det zudem verschiedene musiktheatralische Elemente\, während Iris Szeghy zu
 m Schluss alle Chöre vereint und in einer persönlichen Weise des Wechselges
 angs das uralte «Stabat Mater» neu gestaltet.<br />Thomas Gartmann</p><p><a
  href="https://www.kirchenmusikkongress.ch/programm/komponisten-im-gespraech
 /" title="«Komponisten im Gespräch»">Im Rahmen der Tagung findet am 23. Okt
 ober ein Konzertnachgespräch mit den Komponisten und der Komponistin statt.
 </a></p><p> </p><p><strong>Burkhard Kinzler: Kain und Abel</strong><br />Mi
 t einem akkordischen Choralsatz\, freilich fortissimo\, «grell\, fast schre
 iend»\, beginnt der grosse Chor: «Durch Adams Fall ist ganz verderbt». Und 
 mit der rhythmisch freier formulierten Frage «Adam\, wo bist du?» antworten
  die Solisten von der Empore herunter. In diesen wenigen Takten ist vieles 
 schon angelegt\, was diese Kantate in ihrem weiteren Verlauf prägen und dab
 ei ineinandergreifen wird: Choralsatz und ungebundene Diktion\, Traditionsb
 ezug und Moderne\, Räumlichkeit bzw. Bewegung im Raum\, das Nebeneinander v
 erschiedener Textebenen\, Expressivität und Dramatik.</p><p>Einzelne Passag
 en sind metrisch genau notiert\, allein um dem Chor die Koordination zu erl
 eichtern\; in anderen aber fehlen die Taktstriche. Die rhythmische Notation
  der non-misurato-Abschnitte\, so schreibt Burkhard Kinzler\, benutze eine 
 Schreibweise\, die auf György Kurtág zurückgehe (etwa in dessen Klaviersamm
 lung «Játékok»): «Hier sind die Notenwerte nicht rechnerisch\, sondern gest
 isch aufeinander bezogen. So sind ‹kurze Noten› (Viertelnoten ohne Hals) ni
 cht notwendigerweise alle genau gleich lang\, und vor allem nicht ‹genau ha
 lb so lang› wie ‹lange Noten› (Halbe Noten ohne Hals). Ebenso sind die Bezi
 ehungen zu den ‹sehr langen› (Ganze Note) und ‹äusserst langen› (Doppelganz
 e) Noten nicht rechnerisch.» Das mag nun wie ein rein notationstechnischer 
 Exkurs wirken\, hat aber seine musikalischen Konsequenzen für die Gestaltun
 g. «Dadurch entsteht eine Vielfalt an leicht unterschiedlichen Notenwerten\
 , die für die plastische\, sprachnahe Gestaltung der Texte genutzt werden s
 oll\, ohne dass die Musik nach gezählten Rhythmen klingt. Dieses Stück kann
  in einem grossen Raum wie dem Berner Münster von verschiedenen Orten aus m
 usiziert werden.» Durch diese plastische Textgestaltung im Raum entsteht sc
 hliesslich teilweise auch die Dramatik. Und um ein Drama handelt es sich ja
 \, um ein Drama zwischen den Menschen und ihrem Gott. </p><p>Zweimal singt 
 der Bariton der Kanzel (und damit Gottes Wort) zugewandt\, vorwurfsvoll und
  sich immer mehr ereifernd – bis hin zur Aggressivität: «Herr\, ich erfüllt
 e doch dein wort! ich mühte mich im schweisse deines angesichtes\, der erde
  ihre früchte abzuringen.» Es ist Kain\, der hier hadert. Erzählt wird die 
 frühe Geschichte vom Bauern Kain\, der das Land mühsam beackerte\, und sein
 em Bruder Abel\, dem Hirten\, der für seine Opfergaben die Gunst Gottes erh
 ielt. Es ist die Erzählung vom ersten Mord\, die Burkhard Kinzler mit musik
 alischen Mitteln umsetzt. Er folgt dabei dem biblischen Text\, kombiniert u
 nd kommentiert ihn aber mit älteren Chorälen (wie «Ach Herr\, vernimm min k
 läglich Stimm» von Cosmas Alder) und mit Lyrik unserer Zeit. Gleichermassen
  aber sind diese Texte auch «Anrufungen» an Gott. Ratio und Emotion spreche
 n beide aus diesem Werk.</p><p>So wird der Stoff in mehrerer Hinsicht «insz
 eniert»\, d. h. in eine zeitliche und räumliche Szenerie transferiert\, ähn
 lich wie es die Maler der Renaissance auch taten. Und noch in einer weitere
 n Hinsicht geht Kinzler über die Erzählung hinaus: Der Schluss verweist auf
  den gekreuzigten Jesus\, verbindet also Altes mit Neuem Testament. Die Ges
 chichte von Kain und Abel ist Gegenwart. Mit den vom Sopran gesungenen Wort
 en «Durch meine Tränen» endet das Werk. Murmelnd verlassen Sänger das Podiu
 m\, gehen in den Raum hinaus. Der Schluss des «Aaronitischen Segens» («Herr
 \, erhebe dein Angesicht über uns und schenke uns Frieden») leitet in die f
 olgende Komposition hinüber: </p><p><strong>Christian Henking: Ruh du nur i
 n guter Ruh </strong><br />Der Komponist schreibt dazu: «Das Werk zelebrier
 t eine Art Wandelabendmahl. Dabei gehen nicht etwa die Gemeindemitglieder z
 u den mit Brot und Kelch bereitstehenden Spendern\, sondern die Chorsänger 
 und -sängerinnen selbst schreiten zu den Zelebranten – in diesem Fall den G
 esangssolisten -\, um einen Ton in Empfang zu nehmen\, den sie dann singend
  im Raum verteilen. Es entstehen Klangteppiche\, die nach vorgegebenen Must
 ern durch den Raum fliessen\, sich verändern\, entwickeln oder absterben. D
 aneben finden andere\, scheinbar ritualisierte Aktionen statt\, z. B. das ‹
 Weitersagen› von kurzen Sprachfetzen von Chormitglied zu Chormitglied\, das
  körperliche Berühren\, das zu einer unmittelbaren sängerischen Tätigkeit f
 ührt\, oder auch ortsabhängiges Singen: Schreitet ein Chormitglied über die
  unsichtbare Abgrenzung eines bestimmten Bereichs innerhalb des Münsters\, 
 beginnt es zu singen respektive hört es mit dem Singen auf. Der Raum selbst
  bestimmt das Ritual\, ausgeführt von acht verschiedenen Chören und drei Ge
 sangssolisten\, die teils unabhängig voneinander agieren\, sich teils zu gr
 össeren Gruppen zusammen schliessen.</p><p>Der Text beruht auf weltlichen\,
  etüdenhaften Textpassagen\, die üblicherweise für das Einsingen oder für t
 echnische Übungen benutzt werden (was ebenfalls eine rituelle Handlung ist)
  und so zusammengestellt wurden\, dass ein sakral angehauchtes Gedicht ents
 tanden ist\, das weniger etwas mitteilen als vielmehr einen Sprachklang aus
 senden will: Jede Textzeile stützt sich auf einen Vokal:</p><p>‹Ruh du nur 
 in guter Ruh\,<br />voll von Trost\, voll hoher Wonne.<br />Welch berechtig
 tes Vermächtnis<br />ist die Liebe innig mild.›</p><p>Daneben taucht etlich
 e Male ein Ausschnitt aus einem Chorstück von Cosmas Alder (gestorben 1550)
  auf\, das wie eine Art visionäre Erscheinung am Ritual teilhaben will. Der
  Text dieses Stücks – ‹thuo gnädigklich mich miner Bitt gewären› – entzieht
  sich dabei dem musikalischen Zitat und breitet sich über den gesamten Abla
 uf von ‹Ruh du nur in guter Ruh› aus.</p><p>Die Geige übernimmt die Funktio
 n des Eingangs- und Ausgangsspiels\, wobei diese zwei Begriffe wörtlich gen
 ommen werden: Ein auf dem Boden des Mittelgangs liegendes Notenband ist gew
 issermassen der Wegweiser\, dem entlang die Geigerin ins Münster schreitet 
 respektive dieses am Schluss des Rituals wieder verlässt. Die Geigenstimme 
 ist dabei so komponiert\, dass sich das Notenband von zwei Seiten lesen läs
 st: Eingangs- und Ausgangsspiel beruhen auf dem gleichen Notenmaterial\, kl
 ingen aber verschieden. Nach der rituellen Handlung ist man gereinigt\, sie
 ht die Dinge von einer anderen Seite\, hat Erkenntnis gewonnen.»</p><p><str
 ong>Iris Szeghy: Stabat mater</strong><br />«Einmal ein ‹Stabat mater› zu k
 omponieren»\, so schreibt Iris Szeghy\, «war seit vielen Jahren meine Inten
 tion – die Thematik der Mutter\, die ihr durch eine Gewalttat gestorbenes K
 ind beweint\, hat mich immer berührt. Als ich die Anfrage vom International
 en Kirchenmusikkongress erhielt\, ein neues Werk zu schreiben\, das die Rel
 igiosität in einen modernen Kontext stellt\, wusste ich\, dass für mich der
  Moment gekommen war\, dieses Projekt zu realisieren.</p><p>Ich bin der Mei
 nung\, dass es heutzutage kaum mehr möglich ist oder zumindest wenig Sinn h
 at\, die alten liturgischen Texte ohne jeden thematischen Bezug zu unserer 
 Zeit oder zu den Jahrhunderten\, die uns von der Entstehung dieser Texte tr
 ennen\, zu sehen. Aus diesem Grund habe ich zum eigentlichen Thema meines W
 erkes nicht das Bild der weinenden Maria unter dem Kreuz gewählt. Dieses Bi
 ld dient mir vielmehr nur als Metapher für jede Mutter der Welt\, die – wie
  einst die Mutter Jesu – ihr an sich unschuldiges Kind durch eine von der G
 esellschaft oder einer gesellschaftlichen Gruppe organisierte Gewalttat ver
 loren hat: im Namen der unterschiedlichsten Ideologien\, Religionen\, gesch
 riebenen oder ungeschriebenen Gesetze – durch staatliche Strukturen (Gerich
 te)\, durch totalitäre Systeme\, Kriege\, Aufstände\, Revolutionen\, Terror
 organisationen usw. In der Geschichte der Menschheit sind auf diese Weise M
 illionen unschuldiger Menschen gestorben – bis heute. Mein Werk will ein kl
 eines Denkmal für sie und ihre Mütter\, Väter\, Geschwister\, Kinder setzen
 \, die sie durch die Jahrhunderte beweinen mussten. Diesen Opfern und dem A
 ndenken an meine Mutter ist das Werk gewidmet.</p><p>Aus der lateinischen S
 equenz «Stabat mater dolorosa» aus dem 13. Jahrhundert habe ich fünf Stroph
 en ausgewählt\; sie bilden die Textgrundlage für die fünf Sätze des Zyklus.
  Im letzten Satz kommt eine Liste mit 78 Namen von durch die Gesellschaft i
 n verschiedenen Jahrhunderten getöteten Frauen und Männern dazu – ihre Name
 n werden durch die Solosopranistin\, im Wechsel mit einem Klagegesang ohne 
 Worte\, gelesen. Die Sopranistin tritt erst in diesem letzten Satz hinzu\, 
 und erst mit ihrem Einsatz\, mit dem Lesen der Namen der Opfer\, erklärt si
 ch die eigentliche Thematik\, der Sinn und die Botschaft des Werkes. </p><p
 >Die ersten vier Sätze sind reine A-cappella-Chorsätze\, aufgeteilt in drei
  Chöre – zwei von ihnen stehen vorne auf der Bühne\, der dritte Chor soll v
 on der Bühne entfernt sein\, damit ein Raumeffekt entsteht (im Berner Münst
 er werden die Sänger dieses dritten – universitären –Chors \, auf der Empor
 e stehen\, die Chöre des Gymnasiums Neufeld auf der Bühne). Die alte Stabat
 -mater-Sequenz wurde ursprünglich antiphonal gesungen\, als Dialog zwischen
  zwei Chören – diese Tradition der Textaufteilung im Rahmen der Strophen ha
 be ich in manchen Sätzen meines Werks übernommen\, die Melodie der Sequenz 
 erklingt auch als Zitat. Die Bezüge zur alten Musik sind in meinem Werk gen
 erell präsent. Durchwoben sind sie mit den Vokal- und Kompositionstechniken
 \, welche die Avantgarde des 20. Jahrhunderts in die Musikgeschichte eingeb
 racht hat – mit Klangfarben und Stimmtechniken wie Flüstern\, Sprechen\, Sc
 hreien\, Summen\, lautem Ein- und Ausatmen\, mit Glissandi\, grossen Vibrat
 i\, die eine Mikrotonalität erzeugen etc. Das Werk wird so zu einem Amalgam
  von Altem und Neuem\, im kompositorischen wie auch im geistigen Sinne. </p
 ><p>Neben den Chören und dem Solosopran spielt die Solovioline eine sehr wi
 chtige Rolle. Sie tritt nie zu den Chören oder dem Sopran hinzu\, ihre Auft
 ritte sind immer rein solistisch\, als einsamer instrumentaler Gegenpol zum
  Vokalen. Ihr gehören die vier Intermezzi des Stückes\, welche die fünf Hau
 ptsätze verbinden und das Ganze zu einem ohne Pause verlaufenden Zyklus for
 men. Die Violinstimme kommentiert musikalisch das im vorangehenden Satz Ges
 chehene und nimmt gleichzeitig das im folgenden Satz kommende vorweg – sie 
 wird zu einem ebenbürtigen Partner der Chöre und des Soprans. </p><p>Die Re
 duktion und Konzentration auf das für mich Wesentliche\, aber auch die Viel
 falt des Ausdrucks\, der benutzten musikalischen Mittel und die Arbeit mit 
 feinen Nuancen charakterisieren mein Werk.»</p><p><a href="http://stream.fi
 lharmonia.sk/video/?v=KS201702171900" target="_blank">Aufnahme Februar 2017
  Bratislava</a></p>
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LOCATION:Berner Münster
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 immen/
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SUMMARY: Vesper
DESCRIPTION: Die Sintflut   Berner Kantorei Johannes Günther Leitung Daniel
  Glaus Orgel Pfr. Beat Allemand Predigt   Willy Burkhard (1900–1955) Die Si
 ntflut\, Kantate nach dem Bericht aus dem 1. Buch Mose op. 97(1954/55) für 
 gemischten Chor (vier- bis achtstimmig) Die Verderbtheit des Menschengeschl
 echts Die Berufung Noahs Der Ausbruch der Sintflut Der Sintflut Ende Gottes
  Bund mit […]
X-ALT-DESC;FMTTYPE=text/html: <p><strong>Die Sintflut</strong></p><p> </p><
 p><strong>Berner Kantorei</strong><br /><strong>Johannes Günther</strong> L
 eitung<br /><strong>Daniel Glaus</strong> Orgel<br /><strong>Pfr. Beat Alle
 mand</strong> Predigt</p><p> </p><p><strong>Willy Burkhard</strong> (1900–1
 955) <br />Die Sintflut\, Kantate nach dem Bericht aus dem 1. Buch Mose op.
  97(1954/55)<br />für gemischten Chor (vier- bis achtstimmig)</p><p>Die Ver
 derbtheit des Menschengeschlechts<br />Die Berufung Noahs <br />Der Ausbruc
 h der Sintflut<br />Der Sintflut Ende <br />Gottes Bund mit Noah und der Re
 genbogen</p><p> </p><p>Vor 60 Jahren\, am 18. Juni 1955\, starb mit Willy B
 urkhard einer der bedeutendsten Schweizer Komponisten des 20. Jahrhunderts.
  Sein letztes wichtiges Werk ist die A-cappella-Kantate «Die Sintflut» op. 
 97\, die er kurz vor seinem Tod fertigstellte. Sie entstand als Auftragswer
 k des Berner Kammerchors. Burkhard stellte Texte aus den Kapiteln 6–9 des 1
 . Buches Mose selber zusammen. Eine bezeichnende Wahl\, denn Burkhard schät
 zte die biblischen Texte\, «die mich von jeher besonders angezogen haben\, 
 einerseits ihrer überpersönlichen Aussage willen\, andererseits ihrer Sprac
 he wegen\, die trotz höchster Bildhaftigkeit und poetischer Kraft nicht met
 risch gebunden ist\, ein Umstand\, der meiner Kompositionsweise sehr entgeg
 enkommt».<br />Die Musik freitonaler Prägung\, zuweilen herb in ihrer Klang
 lichkeit und doch von einer gewissen Sinnlichkeit\, ist gekennzeichnet durc
 h eine deutliche Wortdeklamation im Geiste der Alten Musik\, offenbart dabe
 i immer wieder subtilste Wortausdeutungen im Dienste des Ausdrucks und präs
 entiert sich in satztechnisch eindrucksvoller Vielfalt: vom streng akkordis
 chen Satz bis hin zum imitatorischen Stil (Fuge) oder zum Chorrezitativ.<br
  />In der Kantate entfaltet sich in fünf Sätzen die dramatische Erzählung u
 m die Vernichtung des Menschengeschlechts und den neuen Bundesschluss mit N
 oah. Nach den zerstörerischen Kräften des Bösen gibt es zum Schluss also do
 ch eine Heilsbotschaft: «Der kompositorisch mittels einer durch die verschi
 edensten Tonarten auf- und absteigenden Vokalise dargestellte Regenbogen – 
 einer der eindrucksvollsten Einfälle des Komponisten – verkündet das Herauf
 kommen der Erde\, auf der nicht aufhören sollen ‹Saat und Ernte\, Frost und
  Hitze\, Sommer und Winter\, Tag und Nacht›.» So schrieb der Musikwissensch
 aftler Kurt von Fischer 1980 in einem Aufsatz über die von Burkhard vertont
 en Texte. Abschliessend konstatierte er: «Überblickt man diese letzten Werk
 e\, so wird nochmals deutlich\, wie sehr sich Burkhards Denken und Schaffen
  innerhalb ganz bestimmter Themenkreise bewegt. Für ihn ist die göttliche B
 estimmung von Natur\, Kreatur und Welt in der Hoffnung auf einen neuen Himm
 el und auf eine neue Erde gegründet. Von daher gesehen erscheinen denn auch
  Erde\, Natur und Mensch auf der einen\, Himmel und Transzendenz auf der an
 dern Seite nicht mehr als unüberbrückbare Gegensätze. Solches bedeutet aber
  keineswegs\, dass Burkhard nicht um die ganze Problematik und um das allge
 meine Leid dieser Welt gewusst hätte.» Verwundert es da\, dass zu seinen be
 deutendsten Schülern Klaus Huber\, Rudolf Kelterborn\, Ernst Pfiffner\, Arm
 in Schibler und Ernst Widmer zählen – Komponisten\, die sich allesamt nie m
 it dem sogenannt rein Musikalischen zufriedengaben?</p>
CATEGORIES:Gottesdienst
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SUMMARY: Konzert Regensburger Domspatzen
DESCRIPTION: Regensburger Domspatzen Domkapellmeister Roland Büchner Leitun
 g Duo Voices & Tides Zwischenmusik Franziska Baumann Stimme Matthias Ziegle
 r Flöte   Józef Swider (1930–2014) Laudate pueri Dominum (vier- bis sechsst
 immig) Mikolaj Zieleński (1560-1620) O gloriosa Domina (füfstimmig) Grzegor
 z Gerwazy Gorczycki (um 1664/67-1734) Omni die dic Maria (vierstimmig) Grze
 gorz Gerwazy Gorczycki Ave Maria (vierstimmig) Zwischenmusik Romuald Twardo
 wski (*1930) Missa […]
X-ALT-DESC;FMTTYPE=text/html: <p><strong>Regensburger Domspatzen</strong><b
 r /><strong>Domkapellmeister Roland Büchner</strong> Leitung<br /><strong>D
 uo Voices & Tides</strong> Zwischenmusik<br /><strong>Franziska Baumann</st
 rong> Stimme<br /><strong>Matthias Ziegler</strong> Flöte</p><p> </p><p><st
 rong>Józef Swider </strong>(1930–2014)<br />Laudate pueri Dominum (vier- bi
 s sechsstimmig)</p><p><strong>Mikolaj Zieleński</strong> (1560-1620)<br />O
  gloriosa Domina (füfstimmig)</p><p><strong>Grzegorz Gerwazy Gorczycki </st
 rong>(um 1664/67-1734)<br />Omni die dic Maria (vierstimmig)</p><p><strong>
 Grzegorz Gerwazy Gorczycki </strong><br />Ave Maria (vierstimmig)</p><p>Zwi
 schenmusik</p><p><strong>Romuald Twardowski</strong> (*1930)<br />Missa Reg
 ina coeli (vier- bis achtstimmig)<br />Kyrie<br />Sanctus<br />Benedictus<b
 r />Agnus Dei</p><p><strong>Józef Swider</strong> (1930–2014)<br />Magnific
 at (deutsch\, vierstimmig)</p><p>Zwischenmusik</p><p><strong>Henryk Mikołaj
  Górecki</strong> (1933–2010)<br />Aus: Piesni Maryjne – Marienmotetten op.
  54 (1985) (vier- bis neunstimmig)<br />Matko Najswietsza! (Allerheiligste 
 Mutter!)	<br />	<br />Zdrowas badz Maryja (Heil Dir\, Maria)<br />Ach\, jak
  smutne rozstanie (Oh\, wie traurig fällt der Abschied)<br />Ciebie na wiek
 i wychwalac bedziemy (Wir preisen Dich immerdar)</p><p><strong>Andrzej Kosz
 weski</strong> (1922–2015)<br />Ave regina praeclara (vierstimmig)</p><p><s
 trong>Milosz Bembinow</strong> (*1978)<br />Regina coeli laetare (sechsstim
 mig)</p><p><strong>Józef Swider</strong> (1930–2014)<br />Cantus gloriosus 
 (vier- bis achtstimmig)</p><p>Änderungen vorbehalten</p><p> </p><p><strong>
 Polnische Chormusik</strong><br />Er habe damals die polnische katholische 
 Kirche und ihren Primas\, den charismatischen Kardinal Stefan Wyszyński\, u
 nterstützen wollen\, sagte Krzysztof Penderecki einmal. Seine «Lukas-Passio
 n»\, geschrieben für das Millennium des Christentums in Polen\, sorgte 1965
  für eine Sensation. Sie gab der Kirchenmusik einen starken Impuls und verh
 alf dem polnischen Katholizismus zu einem neuen Selbstbewusstsein. «Als ich
  angefangen habe\, geistliche Musik zu schreiben\, war es überhaupt nicht m
 öglich\, die Musik von lebenden Komponisten in der Kirche spielen. Jetzt sp
 ielt man sie.» Später widmete er seinem früheren Krakauer Weggefährten Karo
 l Wojtyla nach dessen Wahl zum Papst ein «Te Deum». <br />Pendereckis Musik
  erklingt in diesem Konzert nicht\, sie bildet aber einen Hintergrund\, vor
  dem die Werke dieses Abends zu verstehen sind\, auch wenn sie – abgesehen 
 von Górecki – im Westen kaum  bekannt sind. Es gibt eine reiche Chortraditi
 on im Osten\; die geistliche Chormusik war in Polen aber nicht nur musikali
 sch wichtig\, sondern besass immer auch Aktualität: Sie betonte die Traditi
 on\, insbesondere eine tonale Harmonik\, die auch für Laienchöre zu bewälti
 gen ist\, reicherte sie aber mit eingängigen\, süsslich-schmerzhaften Disso
 nanzen an. Vielleicht ist hinter diesem Stil auch die Muttergottes im Wallf
 ahrtsort zu entdecken: die Schwarze Madonna von Tschenstochau (Schlesien)\,
  die geistige Schutzherrin des Landes.<br /> <br />Jedenfalls ist es kein Z
 ufall\, dass marianische Texte im Zentrum dieses Programms stehen: von eine
 m alten zweistimmigen Gesang bis hin zu den «Marienmotetten» Henryk Mikołaj
  Góreckis oder zur jüngsten Komposition von Milosz Bembinow. Ein Marientext
  steht ja auch im Zentrum von Góreckis berühmtestem Werk\, der 3. Sinfonie 
 «Sinfonie der Klagelieder»\, die auf einem Marienlied aus dem 15. Jahrhunde
 rt basiert. Das Stück wurde weltberühmt\, als es vor einigen Jahren in den 
 englischen Pop-Charts auftauchte. Es steht unabhängig davon für die Abkehr 
 vieler polnischer Komponisten von der Avantgarde hin zu neotonalen Klängen.
  Górecki vollzog diesen Wandel fast gleichzeitig wie Penderecki während der
  1970er-Jahre.<br />Górecki schrieb noch zahlreiche weitere marianische Kom
 positionen. Die mütterliche Liebe erscheint fast als Grundkonstante in sein
 em Oeuvre. Sein Heim war mit volkstümlicher Malerei und Bildhauerei auf rel
 igiöse Themen angefüllt\, und vor allem fanden sich dort auch Reproduktione
 n der Schwarzen Madonna. Daher erstaunt es wenig\, dass sich auch in seinen
  Chorstücken - wie in diesen «Marienmotetten» - Anklänge an Volkslieder fin
 den. Seine Musik steht damit exemplarisch auch für die anderen Komponisten 
 dieses Konzertprogramms. <br />Bei ihnen allen kommt eine gewisse Volkstüml
 ichkeit der Melodik zum Tragen\, die sich bewusst an Laienchöre richtet. Au
 s der Generation Góreckis und Pendereckis stammen drei weitere\, etwas älte
 re Komponisten. Andrzej Koszweski (1922–2015)\, Józef Swider (1930–2014) un
 d Romuald Twardowski (*1930):<br />Der aus Posen stammende Andrzej Koszewsk
 i\, Komponist\, Musikwissenschaftler und Musikpädagoge in einer Person\, gi
 lt als Polens bedeutendster Chorkomponist des 20. Jahrhunderts. Wie Pendere
 cki und Górecki komponierte auch er ein ausladendes Chorstück für Papst Joh
 annes Paul II. Zu seinen Schülerinnen gehören etwa Lidia Zielińska und die 
 heute in der Schweiz lebende Bettina Skrzypczak.<br />Józef Swider war in K
 attowitz tätig und unterrichtete an der dortigen Musikakademie Theorie und 
 Komposition. Daneben war er im polnischen Chorverband aktiv und verfasste u
 . a. über zweihundert Chorlieder\, die teilweise wie etwa der «Cantus glori
 osus» grosse Verbreitung fanden. Ein charakteristisches Merkmal von Swiders
  Kompositionen\, so schrieb der Carus-Verlag nach seinem Tod\, «war der vir
 tuose\, fast instrumentale Zuschnitt für Chorensemble\, gekennzeichnet durc
 h eine reiche Faktur. In der Musik von Józef Swider begegnet man den versch
 iedensten Ausdrucksformen: intimem Lyrismus\, inbrünstigem Bekenntnis\, and
 ächtigem Gebet und Choral\, aber auch hymnischer Erhabenheit und dramatisch
 er Dynamik bis hin zu Humor und musikalischem Witz. Swider gilt als ein Kom
 ponist\, der die Chorsprache meisterhaft beherrschte. Seiner musikalischen 
 Sprache liegt eine romantisierende Ästhetik zugrunde\, voll von Emotionen\,
  mit spürbarem Ausdruck\, manchmal auch verhalten leise».<br />Romuald Twar
 dowski wuchs im litauischen Vilnius auf und kam 1957 nach Warschau\, um dor
 t weiter zu studieren. 1963 und 1966 weilte er für ein Studienjahr bei Nadi
 a Boulanger in Paris. Von 1971 an unterrichtete er selber in Warschau. Nebe
 n drei Opern\, diversen Balletten und Sinfonien hat auch er Chormusik kompo
 niert – und sich dabei ähnlich wie Swider als grosser Pädagoge erwiesen.<br
  />Der jüngsten Komponistengeneration Polens gehört schliesslich Milosz Bem
 binow an: Er ist auch als Dirigent unterwegs und sorgte dabei schon als Sec
 hzehnjähriger  für Aufsehen. Als typischer Vertreter der Postmoderne bewegt
  er sich virtuos auf vielerlei Ebenen\, komponiert Unterhaltungs- und Filmm
 usik\, aber auch grosse sinfonische Werke – und zum Beispiel dieses hübsche
  kurze Chorstück\, ein «Regina coeli laetare».</p><p><strong>Duo Voices & T
 ides</strong></p><p>Vom Innen und Aussen der Klangräume müsste man beim Duo
  Voices & Tides mit Stimme und Flöte sprechen\, geht es doch der Berner Vok
 alistin <strong>Franziska Baumann</strong> und dem Zürcher Flötisten <stron
 g>Matthias Ziegler</strong> besonders auch um die Architekturen\, in denen 
 sie auftreten. Ziegler etwa begann an der ETH Architektur zu studieren\, be
 vor es ihn zur Musik trieb\, das Interesse an Klangräumen freilich blieb ih
 m. In seinem Projekt «Palladio» spürte er jahrelang räumlichen Wirkungen na
 ch. Wie verändert sich das Hören vor Ort – und wie das Raumerlebnis durch d
 ie Musik? So hat er im weitverzweigten Röhrensystem der Staumauer Grande Di
 xence Musik gemacht\, in der Felsentherme Peter Zumthors in Vals oder in de
 r wunderbaren Palladio-Villa Erno. Ähnliche Projekte ging auch Franziska Ba
 umann an\, die sich sogar in die Klangräume der Gletscher vorwagte. <br />L
 andschaftskompositionen bilden somit einen wesentlichen Teil der Duoarbeit.
  So liessen sie zusammen kleine Lautsprecherboxen auf dem verwunschenen Wal
 dsee Prau Pulté bei Flims schwimmen\, aus denen Klänge vom Norden Schottlan
 ds drangen. Sie schicken also ihre Klänge in die Weite.<br />Diese Klänge a
 ber stammen aus einem inneren Raum\, aus der Mundhöhle bzw. dem Flötenrohr.
  Und in diesen Höhlenräumen klingt noch so viel anderes\, das gemeinhin für
  das Ohr aus einiger Entfernung kaum zu vernehmen ist. Dies hörbar zu mache
 n ist ein wesentlicher Teil ihrer Forschungsarbeit. Ziegler lotete das Inne
 re etwa der Kontrabassflöte mit einem speziellen Kontaktmikrophon aus. Ein 
 Schlüsselerlebnis war\, wie er im Gespräch mit Michelle Ziegler erzählte\, 
 das Konzert eines Didgeridoo-Spielers\, der anhand von Mikrophonen Klänge a
 us dem Innern seines Instruments hörbar machte: «Gleich nach dem Konzert gi
 ng ich nach Hause\, schloss Mikrophone an meine Stereoanlage an und begann\
 , mit meiner Bassflöte zu experimentieren. Das wirkte wie ein kreativer Mot
 or. In einem Sommer entwickelte ich eine ganze Klangpalette\, die ich dann 
 genau dokumentierte und katalogisierte.» Archaisches wurde und wird in dies
 em Laboratorium vernehmbar: Material\, Atmen\, Rauschen\, das Innerste des 
 Klangs.<br />Baumann wiederum wirft ihre Stimme\, all ihre feinen mikrotona
 len\, timbralen\, sprachnahen und perkussiven Vokaltechniken\, über Lautspr
 echer hinaus in den Raum\, bearbeitet oder bespielt sie gleichzeitig jedoch
  in «Real time»\, indem sie den Sound über einen interaktiven Sensorhandsch
 uh steuert und verändert. Dadurch wird ein Drittes zwischen diesem Innen un
 d Aussen spürbar: die musikalische Präsenz\, die Spielfreude\, die Improvis
 ation. Es geht den beiden nicht nur ums Klängeertüfteln\, es geht ums Leben
 dige. Nennen wir es Neue Musik oder Jazz oder wie auch immer: es ist eine u
 ngemein abwechslungsreiche und spannende Form der Interaktion\, die alle Kl
 angräume umfasst. </p>
CATEGORIES:Konzert
LOCATION:Berner Münster
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 rger-domspatzen/
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SUMMARY: Ökumenischer Schlussgottesdienst
DESCRIPTION: Kai Wessel Countertenor Solovoices mit Svea Schildknecht Sopra
 n Francisca Näf Mezzosopran Jean-Jacques Knutti Tenor Jean-Christophe Groff
 e Bass Raphael Camenisch und Christian Roellinger Saxophone Berner Münster 
 Kinder- und Jugendchor Ensemble der Berner und Zürcher Kantorei Johannes Gü
 nther Musikalische Leitung Daniel Glaus Orgel Liturgie Pfr. Gottfried W. Lo
 cher Pfrn. Anne-Marie Kaufmann Pfr. Beat Allemand Pfrn. Esther Schläpfer […
 ]
X-ALT-DESC;FMTTYPE=text/html: <p><strong>Kai Wessel</strong> Countertenor<b
 r /><strong>Solovoices mit Svea Schildknecht</strong>  Sopran <strong>Franc
 isca Näf</strong> Mezzosopran<br /> <strong>Jean-Jacques Knutti</strong> Te
 nor <strong>Jean-Christophe Groffe</strong> Bass<br /><strong>Raphael Camen
 isch und Christian Roellinger</strong> Saxophone<br /><strong>Berner Münste
 r Kinder- und Jugendchor</strong><br /> <br /><strong> Ensemble der Berner 
 und Zürcher Kantorei</strong><br /><strong>Johannes Günther</strong> Musika
 lische Leitung<br /> <br /><strong>Daniel Glaus</strong> Orgel<br />Liturgi
 e<br /><strong>Pfr. Gottfried W. Locher</strong><br /><strong>Pfrn. Anne-Ma
 rie Kaufmann</strong><br /><strong>Pfr. Beat Allemand</strong><br /> <br />
 <strong>Pfrn. Esther Schläpfer</strong><br /><strong>Pfr. Christian Schalle
 r </strong></p><p> </p><p><strong>Lukas Langlotz</strong> (*1971)<br />Gebe
 t (2014–15)</p><p>Kantate für Countertenor-Solo\, Vokalquartett\, Kindercho
 r\, gemischten Chor\, Saxophone und grosse Orgel<br />Uraufführung</p><p>li
 turgische Eröffnung</p><p>I «Vater unser im Himmel»</p><p>Gnadenzuspruch</p
 ><p>II «Geheiligt werde dein Name. / Dein Reich komme.»</p><p>Predigt zum «
 Vaterunser»</p><p>III «Dein Wille geschehe\, wie im Himmel\, so auf Erden. 
 / Unser tägliches Brot gib uns heute.»</p><p>Fürbitten</p><p>IV «Und vergib
  uns unsere Schuld\, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.»</p><p>Fried
 ensgruss</p><p>V «Und führe uns nicht in Versuchung\, sondern erlöse uns vo
 n dem Bösen.»</p><p>Vaterunser</p><p>VI Doxologie: «Denn dein ist das Reich
  und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.»</p><p>Sendung und S
 egen</p><p>Nach dem Gottesdienst lädt der Kirchgemeinderat ein zum Apéro in
  der Matterkapelle.</p><p><strong>Dr. David Plüss</strong> Abschliessende G
 edanken zum 5. Internationalen Kongress für Kirchenmusik Bern 2015</p><p> <
 /p><p>Im Zentrum dieses ökumenischen Gottesdienstes\, an dem die drei Lande
 skirchen beteiligt sind\, steht die neue Komposition des Basler Komponisten
  Lukas Langlotz: «Gebet». Es ist nicht das erste Mal\, dass sich der Basler
  Komponist mit geistlichen Inhalten und Liturgien beschäftigt. Aufhorchen l
 iess zum Beispiel schon seine «Missa nova» von 2009–10 für zwölfstimmiges V
 okalensemble und sieben Instrumente. Es handelt sich um ein aussergewöhnlic
 hes Stück\, nicht nur\, weil es den katholischen Ordinariumstext vollständi
 g vertont\, nicht nur\, weil Langlotz seine persönlichen Kommentare und Zwe
 ifel in Form eines Introitus\, zweier Meditationen und längerer textloser T
 eile einfügte\, sondern weil ihm hier tatsächlich eine Konzentration aufs E
 ssentielle und eine Irritation gelang. Geistliche Musik\, dicht\, spannungs
 reich\, innerlich fast aufsprengend\, Musik\, die Fragen an diesen so festg
 efügten Text stellt: «Ich habe dieses Gebet [das Credo] nicht in einer dogm
 atischen Haltung vertont\, sondern setze mich musikalisch damit auseinander
 \, schaffe auch eine gewisse Distanz»\, sagte der Komponist in einem Gesprä
 ch. <br />Dahinter steckte der lang schon verfolgte Wunsch\, mit der Musik 
 über das bloss Klingende hinauszugehen. «Spätestens als ich 1998 [bei den I
 nternationalen Ferienkursen] in Darmstadt war\, habe ich begriffen\, dass e
 s nicht wichtig ist\, ‹neue› Musik zu schreiben\, sondern eine Musik\, die 
 etwas Essentielles mit mir macht und die irritiert\, seltsam berührt.» Hinz
 u kam eine wichtige Erfahrung in Afrika: «Meine Beschäftigung mit biblische
 n Texten war früher stark von der Institution Kirche geprägt. Irgendwann bi
 n ich ausgebrochen und wollte lange nichts mehr davon wissen. Bis ich in Ka
 merun ‹Kirche› in einem ganz anderen Umfeld erfahren habe. Die Kirche ist d
 ort gesellschaftlich überhaupt nicht etabliert oder akzeptiert\, sondern be
 sitzt eine fast anarchistische Kraft\, die sich gegen das Regime formiert. 
 Dort habe ich einen Pfarrer kennen gelernt\, der ‹Kohelet› wie einen Revolu
 tionstext vorgetragen hat.» Bald schon folgte eine erste Reaktion: Windspie
 l (1998–2000)\, im Untertitel: «Kohelet-Betrachtungen» für Sopran\, Ensembl
 e und 4 CD-Player. Weitere Werke umkreisen die Themen seither\, wobei er be
 tont\, dass ein Stück wie die «Missa nova» keine Kirchenmusik sei. «Die Inh
 alte\, die in den Texten formuliert werden\, sind zwar christlich geprägt\,
  doch auf einer tieferen Ebene berühren sie Fragen\, die überkulturell sind
  und Menschen in ihrer Sehnsucht nach dem Kontakt mit einem ganz Anderen üb
 erall beschäftigen. Dieser Aspekt vor allem hat mich angezogen. Dazu kam de
 r Wunsch\, mich mit einem Erbe auseinanderzusetzen\, dem ich in vielfachen 
 Zusammenhängen immer wieder begegnet bin.» Religion ist für ihn etwas Offen
 es. «Ich möchte Religion für mich nicht so verstanden haben\, dass sie Mens
 chen nur daran hindert\, sich frei zu entfalten. Auf etwas Grösseres\, etwa
 s Unbedingtes will ich mich beziehen\, und dann hat mich interessiert\, was
  die Menschen damals im 4. Jahrhundert dachten\, als die von mir verwendete
 n Texte im Nizänum entstanden sind? Wie sind sie damals zu den Begriffen üb
 erhaupt gekommen und wie haben sie sie interpretiert?» Es geht wohl auch da
 rum\, die christlichen Begriffe und Werte aus einer jahrhundertelangen Umkl
 ammerung durch die Kirche zu befreien.<br />In seinem neuen Werk nun\, komp
 oniert im Auftrag des Kongresses und mit Unterstützung der Vinzenzenstiftun
 g\, widmet er sich dem wichtigsten christlichen Gebet. Lukas Langlotz schre
 ibt zu seiner Kantate für Countertenor-Solo\, Vokalquartett\,<br />Kinderch
 or\, gemischten Chor\, zwei Saxophone und grosse Orgel: «Im Zentrum der sec
 hsteiligen Kantate steht das ‹Vaterunser› als das alle christlichen Konfess
 ionen verbindende Gebet. Den Sätzen des ‹Vaterunser› gegenübergestellt werd
 en weitere Texte aus der Bibel (aus den Psalmen\, Hiob\, den Klageliedern\,
  dem Hohelied)\, dem apokryphen Thomasevangelium sowie von Meister Eckhart 
 und Friedrich Nietzsche.<br />Den Mitwirkenden fallen bestimmte Rollen zu. 
 So verkörpert der Solist (Countertenor) einen Prediger (im Sinne von ‹Kohel
 et›)\, der in dieser Funktion gleichzeitig ein Suchender\, ein Zweifelnder 
 und ein Mystiker ist. Die Chöre stehen für Menschen\, die leiden\, sich fre
 uen\, trauern\, Angst haben\, hoffen. Dabei stellt der Kinderchor wiederhol
 t offene Fragen und Schlüsselbegriffe wie Vater/Mutter\, Ich/Du\, Gott\, Na
 me in verschiedensten Sprachen (Deutsch\, Englisch\, Französisch\, Italieni
 sch\, Kurdisch\, Arabisch\, Japanisch\, Hebräisch u. a.) in den Raum. Das V
 okalquartett bildet eine Art betende Gemeinde und singt den ganzen Text des
  ‹Vaterunser› nach Matthäus 6\, 9–13 auf Deutsch und Latein. Gegen Ende lös
 en sich einige Sänger<br />aus der festen Chorgruppe und suchen Wege durch 
 den Kirchenraum.</p><p>Die Situationen der sechs Kantaten-Teile sei hier ku
 rz umrissen:<br />I «Vater unser im Himmel»<br />Der einsame und zurückgewi
 esene Mensch im leeren Raum (Hiob: «Ich schreie zu<br />dir\, und du antwor
 test mir nicht». Nietzsche: «Irren wir nicht durch ein unendliches<br />Nic
 hts?»). Da hinein die Anrufung an Gott als einen Vater.</p><p>II «Geheiligt
  werde dein Name./Dein Reich komme.»<br />Das Göttliche (das «Numinose») al
 s «mysterium tremendum et fascinans».<br />Die Sehnsucht nach einer Vereini
 gung mit dem Göttlichen ausgedrückt in der<br />Erwartung eines ewigen Gott
 esreiches («maranatha»).</p><p>III «Dein Wille geschehe\, wie im Himmel\, s
 o auf Erden./Unser tägliches Brot gib uns heute.»<br />Chaos der Emotionen\
 , Menschen in Extremzuständen. Verzweiflung\, Hilflosigkeit.<br />Da hinein
  gestellt die Bitte nach dem täglichen Brot. In diesen dritten Teil sind di
 e<br />liturgischen Fürbitten integriert.</p><p>IV «Und vergib uns unsere S
 chuld\, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.»<br />Repetitives Gebet (
 in der Art einer Litanei).</p><p>V «Und führe uns nicht in Versuchung\, son
 dern erlöse uns von dem Bösen.»<br />Menschen auf der Suche\, ihre eigenen 
 Wege gehend (Thomas-Evangelium: «Wer<br />das All erkennt\, sich selbst abe
 r verfehlt\, der verfehlt das All.»). Innerhalb des fünften<br />Teils bete
 t die Gemeinde gemeinsam mit allen Sängerinnen das «Vaterunser».</p><p>VI D
 oxologie: «Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ew
 igkeit. Amen.»<br />Eine Vorstellung von Liebe und Einheit (Meister Eckehar
 t: «Und in diesem Einen<br />sollen wir ewig versinken vom Etwas zum Nichts
 .»). Am Ende bleiben die individuellen<br />Fragen\, die Wege weisen ins Of
 fene\, einige Sänger verlassen den Kirchenraum\,<br />in dem sie vorher suc
 hend umhergegangen sind.</p><p> </p><p>Die Komposition «Gebet» wird von der
  Vinzenzen-Stiftung Berner Münster finanziert.</p>
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